02.11.2016 | Allgemeine Projekte Islamic Relief Deutschland

Alte und neue Nachbarn begingen zusammen das Opferfest

Zwischen dem 1. September bis zum 9. Oktober luden fünf Helferkreise und Moschee-Vereine in vier Bundesländern gemeinsam mit Flüchtlingen zu Festen und Kulturabenden anlässlich des Opferfestes ein. Knapp 2.000 alte und neue Nachbarn unterschiedlicher Konfessionen und Kulturen aus über elf Herkunftsländern – darunter Syrien, Afghanistan, Irak, Eritrea und Indien – feierten gemeinsam.

„Oft werden Misstrauen und Spannungen zwischen Vertretern unterschiedlicher Religionen aus der Heimat mitgebracht“, so Daniela Siebeck, die bei Islamic Relief die Flüchtlingshilfe innerhalb Deutschlands koordiniert. „Eine wichtige Aufgabe ist es daher für uns, als Gastgebergesellschaft diese Spannungen abzubauen und Wege für ein kooperativ-respektvolles Miteinander zu eröffnen. Das Opferfest, also das Gedenken an den alle drei Buchreligionen verbindenden Propheten Abraham, bietet einen guten Anlass, sich an Gemeinsamkeiten zu erinnern. Die gemeinsame Organisation eines Nachbarschaftsfests und die damit verbundenen Erlebnisse und Erfolge helfen dabei, die Chancen kultureller Vielfalt anzuerkennen und sie kreativ zu nutzen.“

Die Feiern wurden vom Frauenzentrum Iman in Darmstadt, dem Helferkreis Amel in Mainz, einer Kooperation der Islamisch Kurdischen Liga e.V (IKL) in Köln und Gelsenkirchen sowie vom Helferkreis Nurdane in Kooperation mit der AWO und in der Bilal-Moschee in Berlin ausgerichtet. In Berlin und Gelsenkirchen wurden die Feierlichkeiten von den örtlichen Islamic Relief-Fundraisern und freiwilligen Helfern begleitet.

Die Möglichkeit dazu bot Islamic Relief Deutschland, die zuvor eine Ausschreibung gestartet hatte, auf die sich Vereine bei Interesse bewerben konnten und so finanzielle Unterstützung erhielten. Was dabei herauskam, war aber viel mehr als das: Begegnungen auf Augenhöhe, ein Tag zum Feiern, der so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird und die Wiedererlangung eines Stückchens Freiheit und Selbstständigkeit.

Ziel der Veranstaltungen war es nämlich auch, Flüchtlingen aus ihrer passiven Rolle, in die die aktuellen Umstände sie gedrängt haben, herauszuhelfen und ihnen die Chance zu geben, zusammen mit den verschiedenen Helferkreisen ein Fest der Begegnung zu organisieren und dabei einen aktiven Part einzunehmen. Diversität annehmen und als Bereicherung sehen – auch das war eines der Ziele der Veranstaltungen.

So freute sich Ala, ein 23jähriger Syrer, der bereits seit einem Jahr in Deutschland lebt und eine Feier in Berlin mitorganisierte, dass er Brücken bauen und den Flüchtlingen, die bisher noch in einer Sammelunterkunft leben, erzählen konnte, wie das Leben mit eigener Wohnung ist.

„Viele müssen sich nach dem Leben in der Sammelunterkunft erst einmal zurechtfinden und sich daran gewöhnen, dass sie nun alles wieder selbst organisieren dürfen. Da hilft schon ein Tipp, wo man günstig Nahrungsmittel kaufen kann, wie man den Notarzt ruft oder wo die nächste Asylberatungsstelle ist“, so Ala.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungen standen die etwa 920 Kinder. Für sie hatte Islamic Relief Deutschland besondere Geschenke vorbereitet. Jedes Kind erhielt einen bunten Turnbeutel mit unserem Motto „Gemeinsam für eine bessere Zukunft“ in verschiedenen Sprachen als Aufschrift. Gefüllt waren die Beutel mit Süßigkeiten, Buntstiften und jeweils einem inspirierend-kreativen Freundebuch-Exemplar. Es wurden bewusst interaktive, kreative und nachhaltige Festgeschenke ausgewählt, an denen die Kinder sicherlich noch lange ihre Freude haben werden.

Bei den Feiern gab es jede Menge leckeres Essen, traditionelle Musik, auch mit einer professionellen Naschied-Gruppe, Hüpfburgen, Spiele und Gesichtsschminke für die Kinder. Außerdem gab es für sie interaktive Spielstationen und Fotomotive mit freigelassenem Gesicht. So wurden Flüchtlingskinder plötzlich zu Astronauten oder Cowboys und konnten sich so auch indirekt mit ihrem zukünftigen Berufstraum auseinandersetzen.

Islamic Relief Deutschland plant bereits weitere Aktivitäten zur Integration von Flüchtlingen.