Kontakt aufnehmen
Servicezeiten Ramadan 2026
Zu diesen Zeiten können Sie uns erreichen:
Montag bis Freitag
09:30 - 16:30
Haben Sie Fragen zu Ihrer Spendenbeschinigung?

Land: Internationale Gewässer: Mittelmeerraum/Italien
Ort: s.o.
Begünstigte: Alle Menschen, die auf der Flucht über das zentrale Mittelmeer in Seenot geraten (Fokus liegt auf Erwachsenen und männlichen Jugendlichen) vornehmlich aus Afghanistan, Ägypten, Bangladesch, Burkina Faso, Eritrea, Gambia, Ghana, Guinea, Elfenbeinküste, Mali, Marokko, Niger, Nigeria, Pakistan, Somalia, Sudan, Süd-Sudan, Tschad, Syrien und Liberia
Projektziele: Bereitstellung humanitärer Hilfe und Schutz für alle männlichen erwachsenen Geretteten auf der Humanity 1
Gesamtkosten: 350.000 Euro (Eigenmittel)
Projektdauer: 01.02.2026-31.01.2027 (12 Monate)
Implementierungspartner: SOS Humanity e. V.
Wirkung: Die Geretteten erhalten eine menschenwürdige Versorgung und Behandlung auf dem Schiff und es wird auf ihre Lage und die Problematik dahinter aufmerksam gemacht.
Ziele: Für das Jahr 2026 sind 7 Durchläufe geplant. 6 Durchläufe fallen in den Projektzeitraum. Der erste Durchlauf des Jahres 2027, deren Beginn für Mitte Januar 2027 vorgesehen ist, fällt ebenfalls teilweise in den Projektzeitraum.
Aktivitäten zu Ziel 1:
1. Grundlegende Versorgung
2. Humanitäre Betreuung
Aktivitäten zu Ziel 2:
Dokumentation für Öffentlichkeits- und Advocacy-Arbeit
An Bord der Humanity 1 werden die Daten und Berichte der Geretteten systematisch dokumentiert. Dies erfolgt unter strikter Einhaltung von Schutz-, Datenschutz- und Einwilligungsrichtlinien. Diese werden an die zuständigen Stellen an Land sowie an die Zentrale weitergeleitet. Die gesammelten Informationen dienen sowohl der Einsatzkoordination als auch der Öffentlichkeits- und Advocacyarbeit, um auf Menschenrechtsverletzungen und die Situation von Geflüchteten im Mittelmeer aufmerksam zu machen. Die Weitergabe erfolgt über die Kommunikationskoordination an die operative und strategische Leitung der Organisation. Die Advocacy-Arbeit in Deutschland ist zentral für den reibungslosen Ablauf der Einsätze. Der Advocacy-Manager verfolgt die Rettungsmissionen in Echtzeit, bereitet Informationen vom Schiff auf und steht in Kontakt mit politischen Akteuren und der Rechtsabteilung, um Änderungen im Umfeld frühzeitig zu erkennen. Das Advocacy-Team arbeitet eng mit der Crew an Bord und den Leitungspositionen im Büro zusammen, um den Betrieb zu koordinieren und kontinuierliche Transparenz zu gewährleisten.
Zur Lage an der Mittelroute
Die zentrale Mittelmeerroute ist eine der aktivsten und zugleich tödlichsten Migrationsrouten weltweit. Seit 2014 sind laut IOM über 30.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken oder verschwunden. Konflikte, Gewalt und Hunger in Ländern wie Syrien, Sudan, Mali, Gaza und weiteren Regionen Afrikas und des Nahen Ostens zwingen immer mehr Menschen zur Flucht über das Meer, meist von Libyen aus. Die geretteten Personen stammen aus zahlreichen Ländern, darunter Bangladesch, Eritrea, Sudan, Somalia, Afghanistan und viele weitere.
Viele Geflüchtete geraten in Libyen oder Tunesien in Haft und sind dort schweren und systematischen Menschenrechtsverletzungen durch staatliche Akteure und Schmuggler ausgesetzt. Berichte, unter anderem von SOS Humanity, dokumentieren Gewalt, Misshandlungen und unmenschliche Bedingungen. Um diesen zu entkommen, wagen Menschen die lebensgefährliche Überfahrt in häufig seeuntauglichen Booten. Im Mai 2025 bestätigte die IOM erneut, dass die zentrale Mittelmeerroute die tödlichste Migrationsroute der Welt ist.
Allerdings wird die humanitäre Seenotrettung zunehmend behindert. Die Finanzierung der sogenannten libyschen Küstenwache durch die EU führt zu zahlreichen gewaltsamen Rückführungen („Pullbacks“) nach Libyen. Zudem erschweren politische Entwicklungen in Europa – etwa die Zuweisung weit entfernter Häfen in Italien – die Arbeit ziviler Rettungsorganisationen erheblich. Angesichts fehlender staatlich koordinierter Seenotrettung und der Abschottungspolitik europäischer Staaten ist die Präsenz ziviler Rettungsschiffe wie SOS Humanity wichtiger denn je. Die Auslagerung von Grenzschutz und die Behinderung von NGOs gefährden massiv grundlegende Menschenrechte im Mittelmeerraum, insbesondere die von Frauen und Kindern.
Über SOS Humanity e. V.
Gegründet 2015 in Berlin als SOS Mediterranee Deutschland ist die Organisation seit 2016 im zentralen Mittelmeer im Einsatz. Seit dem 1. Januar 2022 setzt die Organisation die Arbeit als SOS Humanity e.V. und losgelöst vom bisherigen Verbund fort. Im August 2022 hat SOS Humanity ein eigenes Schiff auf das Mittelmeer gebracht: Mit der Humanity 1 sollen in Zukunft noch mehr Menschen gerettet werden. Seit September 2022 hat SOS Humanity 23 Einsätze mit der Humanity 1 durchgeführt. Bei 84 Rettungsaktionen konnten insgesamt 4.934 Menschen gerettet werden. 3.527 der Geretteten waren Erwachsene, davon 341 Frauen. Darüber hinaus hatten wir 1.407 Minderjährige an Bord, davon 180 weibliche und 1227 männliche. 1.384 dieser Minderjährigen waren ohne Begleitung eines Verwandten.
Die meisten Überlebenden an Bord der Humanity 1 leiden an schwerer Erschöpfung: eine Folge der Flucht, der Gewalterfahrung in Libyen und der aussichtslosen Situation der Flucht über das Mittelmeer. Viele sind dehydriert, mangelernährt, unterkühlt, und haben häufig dazu Sonnenbrand, Schmerzen und Infektionskrankheiten. Dermatologische Erkrankungen wie Verätzungen, Krätze und weitere Wunden begegnen der Crew oft bei den Rettungen. Neben den körperlichen Folgen hinterlassen traumatische Erlebnisse, Dauerstress und Gewalterfahrungen oftmals schwere seelische Wunden. Die Menschen fliehen aus ihren Herkunftsländern aufgrund von Krieg, politischen Konflikten, Armut und Perspektivlosigkeit.
Die Trennung von Familie und Gemeinschaft, Einsamkeit und Unsicherheit machen sie vulnerabler für traumatische Erfahrungen während ihrer Flucht. Diese Erlebnisse und Fluchterfahrungen resultieren oftmals in psychischen Problemen. Die schwer belastenden Erlebnisse bei ihrer Flucht und in Libyen gepaart mit einem allgemeinen Mangel an Möglichkeiten führen zu einer erhöhten Vulnerabilität der Geretteten.
Islamic Relief Deutschland unterstützt seit 2018 die Organisation SOS Humanity (ehem. SOS Mediterranee) durch ein Konsortialprojekt unter ADH-Bündnisorganisationen; 2023 hatte sich IRD entschlossen, eine Direktförderung von SOS Humanity umzusetzen (zunächst im Bereich Gesundheit, darauffolgend in der Erwachsenenbetreuung). Islamic Relief ist aktuell Exklusivpartner für die Gewährleistung einer hochwertigen Versorgung, des Schutzes und der Sicherheit von erwachsenen Männern und Jugendlichen an Bord des Rettungsschiffs Humanity 1 von SOS Humanity. Die Partnerschaft zwischen Islamic Relief und SOS Humanity stellt den kontinuierlichen Einsatz der Such- und Rettungskapazitäten von SOS Humanity im zentralen Mittelmeer zwischen Februar 2026 und Januar 2027 und möglicherweise darüber hinaus sicher.
Mehr Infos zu SOS Humanity: https://sos-humanity.org/ueber-uns/