Pakistan: POCAR-Projekt II: Integriertes Programm zur Förderung von Straßenkindern

Bildung

Tausende Straßenkinder in Rawalpindi sind weitestgehend aus der Gesellschaft ausgeschlossen und kennen ihre Rechte nicht. Auf den Straßen sind sie Ausbeutung, körperlichem und sexuellem Missbrauch sowie Misshandlungen ausgesetzt. Sie haben weder genug zu essen, ein Zuhause oder ein soziales Netz, noch Zugang zu gesundheitlicher und psychischer Versorgung oder Bildung.

Vor diesem Hintergrund trug das Projekt in der ersten Phase von 2018 bis 2019 dazu bei, Straßenkindern in ihrem Selbstbewusstsein und ihren Lebenskompetenzen zu stärken, sie zu schützen und ihnen bessere Zukunftsperspektiven zu bieten. Neben den Kindern nahmen Familienmitglieder, Arbeitgeber:innen sowie Vertreter:innen der lokalen Regierung an den Schulungen teil. Durch das POCAR-Projekt (Protection of Child at Risk) in der 2. Phase (2020-2023) werden 750 Straßenkindern in Rawalpindi in ihrem Selbstbewusstsein, ihren Fähigkeiten und Lebenskompetenzen gestärkt sein - zum einen durch Schulungen in Ernährung, Hygiene und Kompetenzentwicklung, zum anderen durch die Renovierung von Schulen, dem Angebot informeller Bildung (verschiedene Jahrgänge inklusive schneller Alphabetisierungsprogramme zum Erlernen von Lesen und Schreiben) und durch bedarfsorientierte psychosoziale Unterstützung. Außerdem werden sie vor Gefahren wie Kinderarbeit, Missbrauch und Gewalt durch die Etablierung von Kinderschutzkomitees und Sensibilisierungsmaßnahmen besser geschützt sein. 400 Familienmitglieder werden bessere finanzielle Zukunftsperspektiven durch ihre Teilnahme an beruflicher Bildung und dem Erhalt von finanziellen Zuschüssen für die Gründung von Mikrounternehmen haben. Das Projekt wurde über die Spenden der von Ehrenamtlichen organisierten Charity Week mit 208.856,73 Euro teilfinanziert.

COVID-19 erwies sich jedoch als große Herausforderung für die reibungslose Durchführung des Projekts. Die Pandemie behinderte nicht nur die Projektaktivitäten, sondern verlangsamte auch die Durchführung des Projekts. Vor diesem Hintergrund fanden viele Aktivitäten online statt, unter anderem die Schulungen für die Lehrer:innen des informellen Grundschulunterrichts. Obwohl das Projektteam positives Feedback zu den Online-Aktivitäten erhielt, hatten sie nicht die gleiche Wirkung wie Aktivitäten mit physischer Interaktion, da die Begünstigten mit dieser besser vertraut sind und sie in den relevanten Kontexten am effektivsten ist.

Land: Pakistan

Ort: Rawalpindi

Begünstigte: Benachteiligte Kinder/Jugendliche in Kinderarbeit; ihre Familienmitglieder; Arbeitgeber, direkt: 1.370, indirekt: 11.220

Projektziele: 1) 750 Straßenkinder werden durch Schulungen, informelle Bildungsangebote und bedarfsorientierte psychosoziale Sitzungen in ihrem Selbstbewusstsein, ihren Fähigkeiten und Lebenskompetenzen gestärkt sowie, 2) vor Gefahren wie Kinderarbeit, Missbrauch und Gewalt durch Etablierung von Kindesschutzkomitees und Sensibilisierungsmaßnahmen geschützt. 3) 400 Familien können sich bessere finanzielle Zukunftsperspektiven durch die Teilnahme an beruflicher Bildung und den Erhalt von finanziellen Zuschüssen für die Gründung von Mikrounternehmen aufbauen

Projektdauer: 01.10.2020 – 30.09.2023 (3 Jahre)

Gesamtkosten: 417.100 Euro

Implementierungspartner: Islamic Relief Pakistan

1) 750 Straßenkinder werden durch Schulungen, informelle Bildungsangebote und bedarfsorientierte psychosoziale Sitzungen in ihrem Selbstbewusstsein, ihren Fähigkeiten und Lebenskompetenzen gestärkt sowie

2) vor Gefahren wie Kinderarbeit, Missbrauch und Gewalt durch Etablierung von Kindesschutzkomitees und Sensibilisierungsmaßnahmen geschützt.

3) 400 Familien können sich bessere finanzielle Zukunftsperspektiven durch die Teilnahme an beruflicher Bildung und den Erhalt von finanziellen Zuschüssen für die Gründung von Mikrounternehmen aufbauen

 

1.    Kapazitätsaufbau von 30 informellen Bildungszentren und deren Schulpersonal für qualitative Bildung (inklusive Schnellen Alphabetisierungsprogramms):

1.1.    Renovierung und Ausstattung der Bildungszentren
1.2.    Entwicklung von Curricula und Schulungen für Schulpersonal der Bildungszentren zum „Schnellen Alphabetisierungsprogramm“
1.3.    Bereitstellung von Schulmaterial für die Schüler:innen

2.    Bessere Entwicklungsmöglichkeiten für die Familien der Kinder:

2.1.    Berufsbildende Maßnahmen und Schulungen (z.B. Nähkurse, Beauty-Kurse, Elektrik)
2.2.    Verlinkung zur Privatwirtschaft durch Treffen mit potenziellen Arbeitgeber:innen
2.3.    Finanzielle Zuschüsse und Ausstattung für Existenzgründungen

3.    Psychosoziales Wohlbefinden der Straßenkinder:

3.1.    Psychosoziale Unterstützung für Kinder nach ihren individuellen Bedürfnissen
3.2.    Schulungen für Familien und Institutionen im Bereich psychosoziale Betreuung

4.    Stärkung von Schutzmechanismen für Straßenkinder in Familien, Gemeinden und Institutionen:

4.1.    Sensibilisierung und Mobilisierung von Gemeinden zur Unterstützung von Kindesschutz
4.2.    Aufbau von „Kindesschutzgruppen“ als Interessenvertretung gegenüber der lokalen Regierung und Koordinierung und Verlinkung mit staatlichen Institutionen
4.3.    Breitangelegte Sensibilisierungskampagnen für die Öffentlichkeit zum Thema Kindesschutz

 

Mehr als 1,5 Millionen Kinder leben in Pakistan auf der Straße (um sich diese Zahl besser vorstellen zu können: knapp so viele Einwohner hat die Großstadt München). Kinder sind das schwächste Glied einer Gesellschaft. Deshalb wundert es nicht, dass Straßenkinder am meisten unter sozialer Ausgrenzung leiden. Oft treibt es Kinder auf der Suche nach Almosen oder Arbeit auf die Straße. Häufig schicken Eltern ihre Kinder auf die Straße, weil sie selbst arm sind und sie nicht versorgen können. Dort sind Kinder Ausbeutung sowie körperlichem und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Was dieses Umfeld mit Kinderseelen macht, kann man sich vorstellen: Sie werden allzu oft traumatisiert oder rutschen in die Kriminalität ab. Viele dieser Kinder haben weder genug zu essen noch ein soziales Netz, das sie schützt. Wenn sie krank sind, können Straßenkinder nicht zum Arzt gehen, und für die allermeisten von ihnen bleibt der Schulbesuch lediglich ein Traum.

In der ersten Phase des Projektes wurden fünf Zentren für informelle Bildung so ausgestattet, dass Straßenkinder der Zugang zu qualitativer Bildung ermöglicht wurde. Als informelle Bildung gilt jene, die außerhalb der vom Bildungsministerium offiziell anerkannten Schulen stattfindet. Der innovative Ansatz von Islamic Relief Pakistan des „Schnellen Alphabetisierungsprogramms“ (Speed Literacy Programme) wurde von der Regierung ausgezeichnet; das Curriculum wurde in der zweiten Projektphase auf Basis einer Absichtserklärung zwischen Islamic Relief Pakistan und dem Amt für Kindesschutz und -fürsorge als Standard für alle weiteren Bildungszentren in der Region etabliert – auch für solche, die nicht vom Projekt unterstützt werden.