Bosnien: Psychosoziale Hilfe (Pass it Forward III)

Gesundheit

Das Projekt zielt darauf ab, Menschen mit psychischen Störungen und Schwierigkeiten eine Genesung zu ermöglichen und sie so zu begleiten, dass sie wieder in die Lage versetzt werden, ein normales Leben zu führen, damit sie zu ihren Familien zurückkehren und ihren Alltag innerhalb der Familie, bei der Arbeit und in der Gesellschaft wieder bewältigen können.

Das Projekt unterstützt zwei Personengruppen: zum einen bieten wir verschiedene Therapieangebote, Hilfe und Unterstützung für verwitwete Frauen und ihre Angehörigen, die bereits von den Angeboten im Rahmen der vorherigen Projektphasen von Islamic Relief profitieren. Zum anderen erhalten auch andere Menschen, die nicht aus verwaisten Familien, sondern aus anderen Gründen gefährdet sind, die gleiche Unterstützung. Darunter fallen etwa Frauen und Kinder, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden. 

Land: Bosnien

Ort: Sarajevo, Tuzla

Begünstigte: direkt: 213, indirekt: 800

Projektziel: Durch das Projekt soll die psychische Gesundheit sowie der allgemeine Gesundheitszustand und die Lebensqualität von 213 Begünstigten verbessert werden. Auch soll das Stigma von Menschen, die sich in Psychotherapie begeben, reduziert werden.

Gesamtkosten: 50.390 Euro

Projektdauer: 15.03.2018 - 14.03.2020 (zwei Jahre)

Implementierungspartner: Islamic Relief Bosnia-Herzegovina

Durch das Projekt soll die psychische Gesundheit sowie der allgemeine Gesundheitszustand und die Lebensqualität von 213 Begünstigten verbessert werden. Auch soll das Stigma von Menschen, die sich in Psychotherapie begeben, reduziert werden.

Einzeltherapie nach der EMDR Methode

Gruppentherapie

Therapeutisches Reiten

Kreativitätsworkshops für Kinder und für andere Personengruppen

Kunsttherapie für Kinder und ihre Mütter

Kinotherapie für Kinder

Einzel- und Gruppenberatung

Es wird geplant, dass die Begünstigten jeweils etwa 10 Psychotherapie-Sitzungen besuchen werden. Innerhalb der 2 Jahre werden insgesamt 2.000 Sitzungen bzw. 20 Sitzungen pro Woche stattfinden.

Bosnien ist geprägt von Kriegen und schweren Zeiten. Die schwere Geschichte belastet das Land bis heute. Vor allem der letzte Krieg in den 1990er Jahren verursachte in vielerlei Hinsicht großes Leid für die gesamte Bevölkerung.  Die Schäden für Menschen, Infrastruktur und Kultur waren immens. Viele Menschen starben, unzählige weitere wurden aus ihrer Heimat in andere Städte und Länder vertrieben und waren dort massiver Armut ausgesetzt. Die komplette Sozialstruktur des Landes wurde zerstört. Noch heute leidet das Land unter seiner schlechten Wirtschaft, die Arbeitslosenquote ist hoch und die Mehrheit kämpft ums Überleben. Die schrecklichen Kriegsereignisse wie ethnische Säuberungen, Massenvergewaltigungen, Vertreibung, Armut sowie der Verlust von geliebten Menschen haben große Teile der Bevölkerung traumatisiert. Ganze Generationen leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen, Angstzuständen und psychosomatischen Störungen.

Auch häusliche Gewalt ist eine Folge dieser Traumata. Man geht davon aus, dass etwa 25 Prozent der Frauen davon betroffen sind. Das Problem wird innerhalb der Gesellschaft allerdings weitestgehend tabuisiert. Die Gesetzeslage sieht zwar den Schutz der Opfer vor, dieser Anspruch scheitert aber an der Umsetzung. Der bosnische Staat stellt derzeit keine institutionellen Leistungen zur Verfügung,  um den Opfern häuslicher Gewalt zu helfen. Auch Kinder sind von den Folgen häuslicher Gewalt betroffen, egal, ob sie selber Opfer wurden oder ihre Mütter. Dies kann zu emotionalen Verhaltensstörungen wie Ängste, Depressionen, schulische Probleme oder Panikattacken führen. Die Bewältigung dieser Traumata kann schmerzhaft sein, ist aber notwendig, damit die Opfer in die Lage versetzt werden, in einem sicheren Umfeld überhaupt lebensfähig zu werden, vor allem dann, wenn der Täter schwer gewalttätig war und/oder die Tat über einen längeren Zeitraum hinweg verübte.

Zwischenberichte

Der Zwischenbericht bezieht sich auf den Berichtszeitraum vom 15.03.2018 - 15.09.2018.

Insgesamt nahmen während des Berichtszeitraums 35 Patientinnen an den Aktivitäten des Projekts teil. 28 Patientinnen erhielten Einzeltherapien und sieben Frauen nahmen an einer Gruppentherapie teil.

Während des Berichtszeitraums berichteten fast alle Patientinnen, die psychologische Unterstützung erhalten haben, von einer Minderung der Symptome ihrer Störungen (6 Patientinnen, die auch schon in der letzten Projektphase eine Therapie erhalten haben, sowie 9 neue Patientinnen).

Fast alle Patientinnen gelang es, ihren Konsum von Medikamenten (etwa Schlaf- und Beruhigungsmittel) sowie anderer Drogen einzuschränken oder ganz aufzugeben.

Fast alle Patientinnen sind genesen und kommen in ihrem gewöhnlichen Umfeld besser zurecht.

Einige der Patientinnen sind komplett geheilt und benötigen keine weiteren Behandlungen mehr.

Einige Patientinnen (in diesem Berichtszeitraum 3 Personen), haben ihre Therapie abgebrochen, da sie ihre Fortschritte für ausreichend hielten. Viele kommen jedoch zurück, weil sie merken, dass sie doch noch Hilfe benötigen. Islamic Relief ist dafür offen und bereit, diese Patientinnen wieder aufzunehmen.

Unerwartete Ergebnisse im Berichtszeitraum:

Die Einzeltherapien einiger Patientinnen gerieten seit dem Sommer 2018 leider ins Stocken, da die Therapeutin aus persönlichen Gründen seither nicht mehr für das Projekt tätig war. Natürlich hat jede Unterbrechung oder Abwesenheit eines Therapeuten leider negative Auswirkungen auf die Patientinnen. Die Fortführung mit einem anderen Therapeuten ist kein einfacher Prozess, da das Vertrauen der Patientinnen erst wieder neu aufgebaut werden muss.  Es ist leider erst sehr spät gelungen, Mitarbeiter einzustellen, um die geplanten therapeutischen Aktivitäten (Einzel- und Gruppentherapie, therapeutisches Reiten, Malen und Schule in der Natur) mit Kindern und ihren Müttern durchzuführen.

Der Zwischenbericht des Projekts zur psychosozialen Hilfe in Bosnien bezieht sich auf den Zeitraum vom 15.03.2018 bis 15.03.2019

Zielgruppe des Projektes sind vor allem Kinder und Mütter aus verwaisten Familien.

Insgesamt nahmen 36 Personen an den verschiedenen Therapiesitzungen und Workshops teil

Am ersten von sechs geplanten Kreativitätsworkshops für Kinder und Mütter nahmen vier Mütter und vier Töchter teil. Hier wurden Themen wie mangelndes Selbstvertrauen und psychologischer Missbrauch von Kindern in der Schule thematisiert, sowie Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Alle Teilnehmerinnen waren sehr motiviert und freuen sich auf den nächsten Workshop.

Weitere vierzehn Kinder und zwei Mütter nahmen an Reitsitzungen teil. Die Kinder wurden dabei von ihren Müttern beaufsichtigt. Durch den unmittelbaren Kontakt mit den Pferden verloren sie die Angst vor diesen Tieren. Sie gewannen ihr Selbstvertrauen zurück und interagierten vermehrt mit anderen Kindern. Die teilnehmenden Kinder freuen sich auf die nächsten Sommerferien, um diese Sitzungen häufiger zu besuchen.

Die Kino-Therapie wurde von elf Kindern und einer Mutter besucht. Danach fand eine Gesprächsrunde statt, um über den gesehenen Film und die Gefühle zu sprechen, die der Film auslöste.

Um weitere potenzielle Begünstigte zur Teilnahme an den Therapien zu ermutigen, wurden in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Waisen / Kinderfürsorge von Islamic Relief fünfzehn Ortsbesuche durchgeführt. Dabei wurden die neuen Therapeuten und die angebotenen Therapien vorgestellt. Mit einigen Zielpersonen konnten keine Vereinbarungen getroffen werden, daher erfolgten weitere 15 Telefonate mit dem Ziel, neue Teilnehmer für die Therapie zu gewinnen.

Die Teilnehmerzahl bleibt trotzdem gering, dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Viele Zielpersonen vermeiden eine professionelle psychiatrische Behandlung aus Angst vor Stigmatisierung und dem Unbekannten, sind therapieresistent oder wegen der Schulbesuchszeiten der Kinder an der Teilnahme verhindert. Islamic Relief wird diese Faktoren in der nächsten Projektphase verstärkt thematisieren.