Bangladesch: Empowerment von benachteiligten Waisenmädchen durch Bildung (EVOLVE)

Bildung

Das EVOLVE-Projekt verfolgt einen integrierten Ansatz, der Bildungsförderung, wirtschaftliche Stärkung der Familien und den Ausbau lokaler Kinderschutzstrukturen miteinander verbindet. Ziel ist es, durch finanzielle Unterstützung für den Schulbesuch, die Förderung von Lebenskompetenzen, die Verbesserung der Lernbedingungen sowie einkommensschaffende Maßnahmen für besonders gefährdete Familien die Ursachen von Schulabbrüchen und Kinderehen nachhaltig zu reduzieren. Gleichzeitig stärkt das Projekt Schulen, Gemeinden und lokale Behörden dabei, ein schützendes Umfeld zu schaffen, in dem Mädchen ihre Bildung fortsetzen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten langfristig verbessern können.

Projektregion:

Das Projekt wird in drei besonders benachteiligten Gemeinden (Karimpur, Jagdal und Rajanagar) der Derai Upazila im Bezirk Sunamganj umgesetzt (im Nordwesten Bangladeschs).

Islamic Relief Bangladesch verfügt dort bereits über langjährige Erfahrungen durch das Waisenpatenschaftsprogramm sowie das Programm zum Schutz von Kinderrechten von Waisen (Orphan Child Rights Protection Programme - OCRP). Die bisherigen Programme haben gezeigt, dass die Kombination aus Bildungsförderung, wirtschaftlicher Unterstützung der Familien und Gemeindearbeit besonders wirksam ist, um Schulabbrüche zu reduzieren und Kinder besser zu schützen.

EVOLVE baut auf diesen Erfahrungen sowie dem bewährten ALO-Poverty-Graduation-Modell (ALO-Modell zur Überwindung von Armut) auf und erweitert dieses gezielt um Maßnahmen zur Prävention von Kinderehen und zur Förderung der Sekundarschulbildung. Das Poverty-Graduation-Modell wurde in der Vergangenheit auch in den von IRD geförderten Projekten EEP und ISD erprobt.

Land: Bangladesch

Ort: Derai Upazila, Bezirk Sunamganj

Begünstigte: Direkt: 300 weibliche Jugendliche (11–16 Jahre), insg. ca. 4.770 Personen; Indirekte: ca. 8.400 Personen

Projektziel: Verbessertes Wohlergehen gefährdeter Waisenmädchen unter anderem durch höhere Besuchsquoten und verbesserte Angebote in der Sekundarschule und stärkeren Schutz ihrer Rechte, auch durch Einbeziehung weitere Zielgruppen wie die Familien und die Gemeinde.

Gesamtkosten: 300.000 Euro (teilfinanziert durch die jährliche Charity Week von Islamic Relief)

Projektdauer: 15.12.2025–14.12.2028 (3 Jahre) 

Implementierungspartner: Islamic Relief Bangladesch

Wirkung:

Verbessertes Wohlergehen gefährdeter Waisenmädchen durch höhere Besuchsquoten in der Sekundarschule und stärkeren Schutz ihrer Rechte.

Ziele:

  • 1. Verbesserte schulische Leistungen und höhere Besuchsquote von 300 gefährdeten Mädchen in der Sekundarschule sowie Verringerung von Schulabbrüchen und Kinderehen.
  • 2. Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Familien durch nachhaltige Einkommensmöglichkeiten.
  • 3. Stärkung lokaler Kinderschutzmechanismen und des gesellschaftlichen Engagements gegen Kinderehen.

Hauptaktivitäten (Auswahl):

  • Auszahlung von 300 Bildungsstipendien
  • Verteilung von Schulmaterialien und Lehrbüchern an 300 junge Mädchen
  • Lernförderung
  • Hilfsmittel für Kinder mit Behinderungen
  • Computerunterricht
  • Einrichtung von Schulbibliotheken
  • Aufbau von 20 Mädchenclubs (Jugendclubs)
  • Trainings zu Kinderrechten, Geschlechtergerechtigkeit und Prävention von Kinderehen
  • Einrichtung geschlechtergerechter Sanitäranlagen (mit entsprechender Hygieneangebote etwa bei Menstruation)
  • Medizinische Versorgungsstellen an Schulen (Sanitätsraum)
  • Regelmäßige Untersuchung aller Schüler*innen von Ärzt*innen
  • 10 Selbsthilfegruppen für Mütter
  • Schulungen zu Finanzkompetenz, Unternehmensführung und Einkommensförderung
  • Vergabe von Startkapital (20.000 BDT pro Familie, ca. 140 Euro) für einkommensschaffende Maßnahmen, etwa Geflügel- oder Ziegenhaltung, einen kleinen Gemüsegarten, einen Kleinsthandel, handwerkliche Tätigkeiten oder andere lokal geeignete Einkommensquellen
  • Kooperationen mit Behörden und weiteren Dienstleistern
  • Stärkung lokaler Kinderschutz- und Kinderehe-Präventionskomitees
  • Sensibilisierungskampagnen zu Kinderrechten, Gender, geschlechtsspezifischer Gewalt und sexueller Gesundheit
  • Lokale Advocacy-Arbeit zur Prävention von Kinderehen sowie Verbesserung von Melde- und Unterstützungsmechanismen

Bangladesch gehört trotz erheblicher Fortschritte im Bildungsbereich weiterhin zu den Ländern mit den höchsten Raten an Kinderehen weltweit. Besonders in ländlichen und einkommensschwachen Regionen verlassen viele Mädchen die Schule frühzeitig und werden bereits vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Armut, traditionelle Geschlechterrollen, ein geringes Bildungsniveau der Eltern sowie mangelndes Bewusstsein für Kinderrechte führen dazu, dass die Bildung von Mädchen häufig eine untergeordnete Rolle spielt. Frühverheiratungen werden vielerorts als Strategie betrachtet, um die wirtschaftliche Belastung der Familien zu reduzieren oder gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Die Folgen sind weitreichend: Mädchen brechen ihre Schulausbildung ab, sind einem erhöhten Risiko für frühe Schwangerschaften mit gesundheitlichen Komplikationen und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt und verfügen langfristig über deutlich geringere Bildungs- und Einkommenschancen.

Das Projekt wird in der Derai Upazila im Bezirk Sunamganj umgesetzt, einer der wirtschaftlich und sozial benachteiligten Regionen Bangladeschs. Die Region ist durch weit verbreitete Armut, geringe Alphabetisierungsraten und begrenzte wirtschaftliche Perspektiven geprägt. Besonders Mädchen haben nur eingeschränkten Zugang zu weiterführender Bildung. Saisonale Überschwemmungen im Haor-Gebiet erschweren den regelmäßigen Schulbesuch zusätzlich, während unzureichend ausgestattete Schulen, fehlende geschlechtergerechte Sanitäranlagen und begrenzte digitale Lernmöglichkeiten die Qualität der Bildung beeinträchtigen. Familien verfügen häufig nicht über ausreichende finanzielle Mittel, um Schulgebühren, Lernmaterialien oder Transportkosten dauerhaft zu finanzieren, wodurch das Risiko von Schulabbrüchen weiter steigt.

Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen bestehen erhebliche Defizite im Bereich des Kinderschutzes. Lokale Schutzmechanismen sind häufig nur unzureichend etabliert, Kenntnisse über Kinderrechte und bestehende Unterstützungsangebote sind begrenzt und Melde- sowie Verweisstrukturen bei Fällen von Kindeswohlgefährdung oder drohenden Kinderehen funktionieren oftmals nicht ausreichend. Gleichzeitig fehlen vielen Jugendlichen Möglichkeiten, Lebenskompetenzen wie Selbstvertrauen, Entscheidungsfähigkeit oder Führungsqualitäten zu entwickeln, die sie dabei unterstützen könnten, ihre Rechte wahrzunehmen und selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Zukunft zu treffen.