Afghanistan: Schaffung von Möglichkeiten für gefährdete afghanische Jugendliche und ihre Gemeinden (CREATE)

Einkommenssicherung

Nach mehr als 4 Jahrzehnten interner Konflikte, Kriege und wiederkehrender Naturkatastrophen ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung auf Hilfe angewiesen, davon mehr als die Hälfte Kinder. 10 Millionen Menschen sind akut von Hunger bedroht. Jedes dritte Kind leidet unter Mangelernährung (WFP 2025). Mit diesem Projekt wird das sozioökonomische Wohlergehen der am stärksten gefährdeten afghanischen Jugendlichen und ihrer Familien verbessert sowie die Entwicklung ihrer Gemeinden in den Provinzen Kabul und Balkh gefördert.

Land: Afghanistan

Projektregionen: Provinzen Kabul und Balkh

Begünstigte: 2.120 am stärksten gefährdete afghanische Jugendliche, ihre Familien und Gemeinden

Datum: 01.01.2024-31.12.2026 (36 Monate)

Implementierungspartner: Islamic Relief Afghanistan

Budget: 350.000 € (250.000€ finanziert durch die Belgische FPS Foreign Affairs, 100.000 € von Islamic Relief Deutschland)

Verbesserung des sozioökonomischen Wohlergehens der am stärksten gefährdeten afghanischen Jugendlichen und ihrer Familien sowie Förderung der Entwicklung ihrer Gemeinden in den Provinzen Kabul und Balkh

1. Verbesserter Zugang von 240 Jugendlichen und einigen ihrer Familien zu Qualifizierungsmaßnahmen, Beschäftigungsmöglichkeiten oder Lebensunterhalt.

  • 1.1. Schulungen zu Lebenskompetenzen für 240 gefährdete Jugendliche, davon 40 (17 %) junge Frauen. Weibliche Praktikantinnen werden ausschließlich an Einrichtungen im medizinischen Bereich und im Krankenhauswesen vermittelt.
    • 1.1.1. Auswahl der Teilnehmenden
    • 1.1.2. Einrichtung der Ressourcen
    • 1.1.3. Durchführung von Karriereentwicklungstrainings
  • 1.2. 150 Jugendliche nehmen an Schulungen zu Unternehmertum und technischen Fertigkeiten teil.
  • 1.3. Mindestens 45 junge Afghanen werden durch bezahlte Praktika mit nationalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen, Regierungsstellen und dem Privatsektor in Verbindung gebracht.
  • 1.4. Ausstattung von 80 besonders schutzbedürftigen Waisenfamilien mit Mitteln für den Lebensunterhalt ihrer Wahl.

2. Stärkung gemeinschaftlicher Aktivitäten durch die Bereitstellung von Kleinzuschüssen an gemeinschaftsbasierte Organisationen (CO) zur Umsetzung lokal initiierter, gemeinschaftsfördernder Maßnahmen.

  • 2.1. Mindestens 4 Gemeinschaftsorganisationen (jeweils eine pro Dorf) erhalten Zuschüsse für vereinbarte Gemeinschaftsinitiativen.
    • 2.1.1. Sozialmobilisierung und Organisation von Haushalten über bestehende COs (Community Organization).
    • 2.1.2. Unterstützung bei der Priorisierung von bedarfsorientierten Gemeinschaftsinitiativen.
    • 2.1.3. Barzuschuss für die COs zur Umsetzung ihres vorrangigen Gemeinschaftsprojekts.
    • 2.1.4. Übergabe des durchgeführten Projekts an die Gemeinde.

Afghanistan steht weiterhin vor einer komplexen humanitären Krise, die durch mehr als vier Jahrzehnte interner Konflikte und Kriege sowie wiederkehrende Naturkatastrophen geprägt ist. Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 43 Millionen Menschen sind 63,7 % der Menschen jünger als 25 Jahre. Damit ist Afghanistan ein Land mit einem besonders hohen Anteil junger Menschen, deren Zukunftsperspektiven maßgeblich von der Verfügbarkeit von Bildung, Beschäftigung und gesellschaftlicher Teilhabe abhängen.

Der humanitäre Bedarf bleibt enorm. Rund 22,9 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter mehr als 12 Millionen Kinder (UNOCHA). Gleichzeitig sind etwa 10 Millionen Menschen akut von Hunger bedroht. Die Ernährungssituation von Kindern ist besonders besorgniserregend: Jedes dritte Kind leidet unter Mangelernährung (WFP, 2025). Die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit, eingeschränkte Existenzmöglichkeiten und der hohe Bedarf an humanitärer Unterstützung verschärfen die Vulnerabilität insbesondere von Kindern und Jugendlichen.

Besonders gravierend ist die Situation von Frauen und Mädchen. Umfangreiche Einschränkungen ihrer Rechte und gesellschaftlichen Teilhabe haben ihre Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten erheblich reduziert. Mädchen ist der Zugang zu weiterführender und Hochschulbildung weitgehend verwehrt, während zahlreiche Berufsausbildungen für Frauen ebenfalls nicht zugänglich sind. Der Gesundheitssektor stellt einen der wenigen Bereiche dar, in denen Frauen weiterhin – zumindest teilweise – beruflich tätig sein können. Dies macht den Gesundheitsbereich zu einem besonders wichtigen Ansatzpunkt, um jungen Frauen Zugang zu Qualifizierung, Beschäftigung und gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Die zunehmenden Einschränkungen haben zudem erhebliche psychosoziale Auswirkungen. Junge Frauen und Mädchen sind einem wachsenden sozialen Druck, verstärkter Kontrolle und Isolation ausgesetzt. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass sich negative Bewältigungsstrategien wie frühe und erzwungene Eheschließungen weiter verstärken. Vor diesem Hintergrund benötigen insbesondere junge Frauen dringend Perspektiven für Bildung, berufliche Qualifizierung und ein eigenständiges Leben. Der Gesundheitsbereich bietet hierfür eine wichtige und vergleichsweise zugängliche Möglichkeit.

Die Situation wird zusätzlich durch die zunehmende Kürzung internationaler humanitärer Hilfe verschärft. Dementsprechend gewinnen hier gezielte, lokal verankerte Maßnahmen, die vorhandene Strukturen stärken, vulnerable Bevölkerungsgruppen erreichen und insbesondere jungen Frauen konkrete Bildungs- und Berufsperspektiven eröffnen, zunehmend an Bedeutung.