Eskalation im Libanon: Forderung nach Einhaltung von Völkerrecht

Schwere humanitäre Krise und wachsende Bedenken hinsichtlich des humanitären Völkerrechts

Hintergrund und aktuelle Lage

Seit Anfang März hat sich die Gewalt im Libanon erheblich intensiviert und eine landesweite humanitäre Krise ausgelöst. Über 2.100 Menschen wurden getötet, mehr als 6.900 verletzt und über 1,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben – rund ein Fünftel der Bevölkerung. Die anhaltenden Kampfhandlungen, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten, sowie die Zerstörung zentraler Infrastruktur verschärfen die ohnehin fragile Lage erheblich.

Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung

Zivilistinnen und Zivilisten tragen die Hauptlast der Gewalt. Wiederholte Angriffe auf Wohngebiete haben zu hohen Opferzahlen geführt, darunter zahlreiche Kinder, ältere Menschen und andere besonders schutzbedürftige Gruppen. In mehreren Fällen wurden ganze Familien bei einzelnen Angriffen getötet. Berichte über fehlende oder unzureichende Vorwarnungen verstärken die Sorge um den Schutz der Zivilbevölkerung.

Schutz des Gesundheitswesens

Das Gesundheitssystem steht unter erheblichem Druck. Zahlreiche Gesundheitseinrichtungen wurden beschädigt oder mussten ihren Betrieb einstellen. Dutzende medizinische Fachkräfte wurden getötet oder verletzt. Angriffe auf Rettungskräfte sowie Berichte über sogenannte „Double-Tap“-Angriffe gefährden die medizinische Versorgung zusätzlich und verzögern lebensrettende Einsätze. Diese Entwicklungen geben Anlass zu ernsten Bedenken hinsichtlich der Einhaltung des besonderen Schutzes für medizinisches Personal und Einrichtungen.


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Zerstörung ziviler Infrastruktur

Die wiederholte Zerstörung von Infrastruktur – darunter Brücken, Wasser- und Energieversorgung sowie landwirtschaftliche Flächen – hat gravierende Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung. Der eingeschränkte Zugang zu sauberem Wasser, Nahrungsmitteln und Gesundheitsdiensten erhöht das Risiko von Krankheiten und verschärft die Ernährungsunsicherheit erheblich.

Vertreibung und humanitäre Lage

Großflächige Evakuierungsanordnungen haben zu massiver Vertreibung geführt und betreffen weite Teile des Landes. Viele der Vertriebenen leben unter prekären Bedingungen, häufig ohne ausreichenden Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Die unklare Dauer der Maßnahmen sowie fehlende Garantien für eine sichere Rückkehr werfen zusätzliche humanitäre und rechtliche Fragen auf.

Einschränkungen humanitärer Hilfe

Humanitäre Organisationen sehen sich zunehmend mit erheblichen Zugangsbeschränkungen konfrontiert. Sicherheitsrisiken, beschädigte Infrastruktur und operative Einschränkungen erschweren die Bereitstellung lebenswichtiger Hilfe erheblich. In vielen betroffenen Gebieten kann Unterstützung nur eingeschränkt oder unregelmäßig geleistet werden.

Völkerrechtliche Bedenken

Das Ausmaß und die Art der Angriffe werfen erhebliche Fragen hinsichtlich der Einhaltung des humanitären Völkerrechts auf. Insbesondere betrifft dies die Prinzipien der Unterscheidung zwischen zivilen und militärischen Zielen, der Verhältnismäßigkeit sowie der Vorsorgepflicht bei Angriffen. Auch der Schutz medizinischer Einrichtungen, humanitärer Helferinnen und Helfer sowie ziviler Infrastruktur steht im Fokus dieser Bedenken.

Forderungen

Vor diesem Hintergrund fordern internationale humanitäre Organisationen als Lebanon Humanitarian INGO Forum (LHIF) gemeinsam:

  • einen sofortigen Waffenstillstand
  • den Schutz der Zivilbevölkerung sowie ziviler Infrastruktur
  • die uneingeschränkte Einhaltung des humanitären Völkerrechts
  • den Schutz von medizinischem Personal und humanitären Helferinnen und Helfern
  • sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe
  • unabhängige und transparente Untersuchungen möglicher Verstöße

Darüber hinaus wird die internationale Gemeinschaft aufgefordert, alle verfügbaren diplomatischen Mittel zu nutzen, um eine Deeskalation zu erreichen, den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen und die notwendige finanzielle Unterstützung zur Bewältigung der humanitären Krise bereitzustellen.

Mitgliedsorganisationen des Lebanon Humanitarian INGO Forum (LHIF):

Acted Action Against Hunger Action Aid Anera ARCS Culture Solidali Asmae - Association Soeur Emmanuelle AVSI Bioforce CAFOD Caritas Austria Caritas Germany Caritas Switzerland Catholic Relief Services CESVI Comitato Internazionale per lo Sviluppo dei Popoli Clovek v Ohrozeni Concern Worldwide COOPI Danmission DanChurchAid Lebanon Danish Refugee Council Dorcas Aid International Fondation Mérieux HEKS/EPER HelpAge International Humanity & Inclusion Humedica IECD INSO INTERSOS Islamic Relief Worldwide, Lebanon Johanniter International Assistance JRS Lebanon Jusoor La Chaîne de l'Espoir Legal Action Worldwide Médecins du Monde Mennonite Central Committee Mercy Corps Mines Advisory Group Norwegian Church Aid Norwegian People’s Aid Norwegian Refugee Council Oxfam in Lebanon Première Urgence Internationale Relief International Right to Play SAMS Save the Children Search for Common Ground Secours Islamique France Solidarités International Swisscontact Taawon Tearfund UK Terre des hommes Italy Terre des hommes Lausanne Trocaire Un Ponte Per War Child Holland Welthungerhilfe WeWorld


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