
Land: | Äthiopien |
Ort: | Hargelle, Bezirke Cherati und Elkare, Afder Zone, Somali Region |
Zielgruppen: | Viehzüchter und Landwirte |
Begünstigte: | 44.096 (davon 21.925 Frauen und 22.171 Männer), 8.500 Kinder unter 18 Jahren |
Projektziel: | Verbesserung des Zugangs zu Wasser und sanitären Einrichtungen, der medizinischen Versorgung und Ausbau der Bildungsmöglichkeiten. |
Gesamtkosten: | 300.000 Euro |

Dieses nachhaltige Entwicklungsprojekt richtet sich an Viehzüchter und Landwirte in der Somali-Region in Äthiopien. Ziel ist es, den Gemeinden den Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung sowie sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen zu ermöglichen. Islamic Relief möchte damit die nationalen sowie regionalen Bemühungen unterstützen, Armut zu reduzieren und soziale Dienstleistungen auszubauen.
Ein wesentlicher Teil des Projektes ist die Förderung aktiver Teilnahme der Begünstigten an dem Entwicklungs- und Fortschrittsprozess und somit die Stärkung der Eigeninitiative der Gemeinden.
Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und begann am 1. Januar 2009.
Die zweite Projektphase konzentriert sich vor allem auf die Verbesserung des Zugangs zu Grundschulausbildung, Gesundheitsversorgung und Wasser. Davon wird weiterhin die marginalisierte Bevölkerung in den Bezirken Elkere, Hargele and Chereti in der Somali-Region profitieren.
Der Ausbau der grundlegenden Gesundheitsversorgung wird sich hauptsächlich darauf spezialisieren, das Management des Gesundheitsinformationsdienstes der Bezirksgesundheitsämter zu stärken. Außerdem sollen die Impfkampagnen fortgesetzt und die Kapazität von professionellem Gesundheitspersonal gestärkt werden.
Die Bildungskomponente des Projektes hat die Verbesserung der Qualität der Grundschulbildung zum Ziel. Das soll vor allem durch die Weiterbildung von Lehrern und die Verteilung von Bildungsmaterialen erreicht werden.
Auch in der zweiten Projektphase liegt der Fokus darauf, bedürftige Familien mit Trinkwasser zu versorgen.
1. Zugang zu Grundschulbildung für 3.500 Kinder
2. Verbesserte medizinische Versorgung für 25.000 Begünstigte
3. Zugang zu sauberem Trinkwasser für 15.000 Begünstigte
4. Stärkung der Zusammenarbeit von Regierung und Gemeinden
1. Kinder außerhalb des formellen Schulsektors erhielten durch die Eröffnung von zehn alternativen Grundschuleinrichtungen (Alternative Basic Education, ABE), die den nomadischen Lebensstil der Kinder und ihrer Familien berücksichtigen, Zugang zu grundlegender Bildung.
2. Es wurden 12.000 Schulbücher verteilt.
3. Durch Errichtung einer Schule mit sechs Klassenzimmern wurde der Lehr- und Lernprozess verbessert.
4. Insgesamt 42.863 Kinder unter fünf Jahren wurden gegen ansteckende Krankheiten geimpft. 11.270 Frauen wurden gegen Tetanus geimpft.
5. Die Bevölkerung von insgesamt sechs Dörfern wird fortlaufend von dem Bau von Wassersystemen profitieren.
1. Bau von sechs Birkas (traditionelle Wasserauffangbecken), um Wasser für die Trockenperioden zu speichern
2. Zusammenstellung von sechs Wasser- und Sanitärkomitees
3. Ausbildung der Komitees in Grundlagen des Wasserbewirtschaftungssystems
4. Schulung der Wartungsteams in Grundlagen der Wartung der Wasserbewirtschaftungssysteme. Um die Nachhaltigkeit zu stärken, werden in die Wartungsteams vor allem Frauen einbezogen
5. Intensive Informationsveranstaltungen für 1.000 Personen über sanitäre Einrichtungen und Hygiene
1. Verteilung von medizinischen Geräten (zum Beispiel Kühlschränken und Mikroskopen) an ausgewählte Gesundheitsinstitutionen
2. Schulung zu Informations-, Lehr- und Kommunikationsmaterialen über Gesundheitsfürsorge für Kinder, EPI (Expanded Programme on Immunization, ein Impfprogramm der Weltgesundheitsorganisation WHO) sowie Gemeindemobilisierung und HMIS (Management für den Gesundheitsinformationsdienst)
3. Stärkung des Gesundheitsinformationsdienstmanagements der Bezirksgesundheitsämter durch Schulungen und die Bereitstellung von drei Computern mit Druckern für den Druck von notwendigen Papieren (z.B. Patientenkarteikarten)
4. Unterstützung der Bezirksgesundheitsämter bei der Realisierung von Impfkampagnen durch die Bereitstellung von Benzin für Motorräder sowie Kühlschränken für die Impfstoffe. Zudem Zahlung von Tagessätzen an die Regierungsangestellten, um in weiter entfernten Gemeinden EPI- Kampagnen durchzuführen.
5. Unterstützung bei der Vorbereitung (vor allem Druck) von Werbematerial für die EPI-Kampagnen
1. Anbau von jeweils einem Block mit vier zusätzlichen Klassenzimmern in drei ABE-Schulen
2. Schulung für 25 ABE-Lehrer zum Thema lernzentrierte und kinderfreundliche Lehrmethoden
3. Verteilung von 10.000 Schulbüchern und 2.500 Lehrbüchern und anderem Lehrmaterial (zum Beispiel: Wandkarten, Modellbuchstaben, Farben, Tiere, Pflanzen, und anderes)
4. Zweite Weiterbildungsmaßnahme für die 30 ABE-Lehrer, die auch schon am ersten Training teilgenommen haben
5. Schulung für das ABE-Schulen-Managementkomitee in insgesamt 15 ABE-Schulen
6. Druck von GEQIP-Leitfaden und Schüleranwesenheitskarten in der Somali-Sprache (GEQIP: General Education Quality Improvement Project, Projekt zur Verbesserung der allgemeinen Bildungsqualität)
7. Verteilung von Lernmaterialien an Kinder aus armen Familien
8. Stärkung von lehrplanunabhängigen Aktivitäten durch die Gründung von Schulclubs; Bereitstellung von Materialien für den Schulclub und Einführung von Leistungswettbewerben
Trotz erheblicher Entwicklungsfortschritte der letzten Jahrzehnte gehört Äthiopien zu den ärmsten Ländern weltweit. Rund 40 Prozent der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze und fast die Hälfte aller Äthiopier ist unterernährt. Besonders bei Kindern unter 5 Jahren ist Unterernährung weit verbreitet und liegt mit 38 Prozent über dem Durchschnitt aller sub-saharischen Staaten.
Ein großes Problem stellt die Wasserversorgung dar. Das trockene Klima ist nur eine Ursache dafür, dass 48 Prozent der Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Die öffentlichen Ausgaben für das Bildungswesen liegen bei lediglich 6,1 Prozent. Folglich können nur die Hälfte aller erwachsenen Männer und 26% aller Frauen Lesen und Schreiben.
Auch im Gesundheitswesen sind die staatlichen Maßnahmen mit einem Budget von 2,7 Prozent (2004) des BIP sehr gering. Rund 80 Prozent der Bevölkerung lebt in Äthiopien auf dem Land. Agrarwirtschaft und Viehzucht bilden demnach für die Mehrheit der Menschen die Existenzgrundlage.
Der Mangel an Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten macht es vielen Menschen unmöglich, den Kreislauf aus Armut, Krankheit und Hunger zu durchbrechen.
Islamic Relief möchte mit diesem Projekt die Lebensbedingungen und Möglichkeiten benachteiligter Bevölkerungsgruppen in Äthiopien erhöhen. Um einen ganzheitlichen Fortschritt zu erzielen, konzentriert sich das Projekt auf die drei Schlüsselbereiche Wasser, Gesundheit und Bildung.
Frisches Wasser für Murayad
Murayad ist 67 Jahre alt und lebt in dem Dorf Oman im Bezirk Hargelle der Somali-Region Äthiopiens. Sie hat 11 Kinder, die im gleichen Dorf leben wie sie. Die älteste Tochter ist 44 Jahre alt und Murayads jüngstes Kind Badri nur sieben Jahre alt.
Aufgrund der anhaltenden Dürreperioden musste die Familie oft umziehen, um Wasser für sich und die Tiere zu finden. Bei der letzten Suche ist Murayads Mann nicht mit der Familie zurückgekehrt und ist seitdem verschwunden. Murayad befürchtet das Schlimmste: „Bis jetzt habe ich noch keine positiven Nachrichten über seinen Verbleib bekommen. Er ist wahrscheinlich verdurstet oder verhungert.“ Murayads Mann war der Versorger der Familie.
Das Haus von Murayad ist eine kleine Lehmhütte mit Strohdach; es gibt keine Möbel und keine Elektrizität. Das Dach ist undicht und lässt Regen durch. Eine Toilette und andere sanitäre Einrichtungen sind nicht vorhanden. Alle ihre Kinder sind zur Qur’anschule gegangen, aber eine staatliche Schule haben sie nie besucht. Dafür fehlte das Geld, so Murayad. „Ich wünsche mir, dass meine Kinder Qur’an-Lehrer und muslimische Gelehrte werden“, sagt Murayad hoffnungsvoll.
Bis vor kurzem war der Zugang zu sauberem Trinkwasser sehr problematisch. Murayad und die anderen Dorfbewohner mussten sich ein Wasserloch zusammen mit wilden Tieren teilen. Viele Menschen sind durch dieses Wasser krank geworden. Auch Murayad hat noch immer Hautprobleme. Der Weg zu diesem Wasserloch war weit und beschwerlich, man benötigte ca. 40 Minuten, um es zu erreichen. Es nahm den halben Tag in Anspruch, um genügend Wasser für den täglichen Bedarf heranzuschaffen. In der Trockenzeit war das Wasserloch leer.
„Unsere Probleme sind immens. Doch ich bin zufrieden und sicher, dass Allah uns aus dieser Katastrophe befreien wird“, beschreibt Murayad ihre Situation. „Ich bin krank und alt und hatte Tuberkulose. Badri ist auch krank. Mein Leben war wunderbar, als mein Mann noch bei mir war. Er verdiente etwas Geld und wann immer eine Trockenperiode war, sind wir woanders hingezogen. Doch jetzt ist meine Familie schwach und wir können nirgendwo hinziehen“, erzählt Murayad traurig.
Im Mai dieses Jahres wurde ein traditionelles Regenwassersammelbecken (Birka) mit Hilfe von Islamic Relief Deutschland fertiggestellt. Diese Birka umfasst zurzeit 360 Kubikmeter gesammeltes Regenwasser. Die lokale Bevölkerung kann dieses Wasser bis zur nächsten Regenzeit nutzen und muss nicht mehr umziehen, um Trinkwasser für sich und ihr Vieh zu suchen. Auch Murayad profitiert von der neuen Birka.
„Islamic Relief hat unserer Gemeinde geholfen, frisches und sauberes Trinkwasser zur täglichen Verfügung zu haben. Jetzt müssen wir unser Wasser nicht mehr mit wilden Tieren teilen und können in Oman bleiben“, berichtet Murayad glücklich. „Wir werden die neue Birka in gutem Zustand halten.“ Murayad erzählt, dass sich ihr Leben seit dem Bau der Birka drastisch verändert hat: „Vorher konnten wir das Regenwasser nicht nutzen. Es hat Überschwemmungen verursacht, aber in der Trockenzeit waren wir trotzdem nah am Verdursten.“
„Ich danke den Spendern von Islamic Relief von ganzem Herzen. Möge Allah ihre Hilfe und guten Taten reichlich belohnen“, sagt Murayad.




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