Blog von Fadi Itani

Blog: Ein Islamic Relief Mitarbeiter erzählt

Islamic Relief Mitarbeiter

Fadi Itani aus England, Mitarbeiter bei Islamic Relief Worldwide, erzählt

Fadi Itani, bei Islamic Relief Worldwide zuständig für PR und externe Angelegenheiten, bereitet sich auf seine Reise nach Nepal vor, um seine Ärmel hochzukrempeln und Hilfsgüter an die Betroffenen des Erdbebens zu verteilen. Hier teilt er seine Gedanken vor der Abreise.

"Die Berichterstattung sowohl unseres Teams in Kathmandu als auch der Medien zeichnen ein finsteres Bild der Realität in Nepal. Heute ist es eine Woche her, dass ein Erdbeben das Land niedergestreckt und viele Menschen um ihr Leben gebracht hat, und die aktuellen Nachrichten zeigen den immensen Bedarf an Hilfe.

Für mich fühlt es irreal an, für die Reise nach Nepal meine Sachen zu packen. Ich musste ein Visum beantragen, das auch nach dem Grund meines Besuchs fragte. Ich konnte ankreuzen: Ferien, Trekking oder Bergsteigen. Der Tourismus ist für die wirtschaftliche Entwicklung in Nepal enorm wichtig. 2013 nahm Nepal 145 Milliarden Rupien (etwa 1,28 Milliarden Euro) laut Statistiken des World Travel and Tourism Council durch Tourismus ein. 

Leute, die nach Nepal reisen, packen normalerweise leichte Kleidung, Sonnencreme und ein gutes Buch zum Lesen ein. Aber das, was bisher ein Ort für Touristen und Urlauber war, ist nun zu einem Ort der humanitären Arbeit geworden, und so packe ich feste Schuhe, Medikamente und ein Satellitentelefon ein.

Während ich meine Sachen packe, läuft das Radio im Hintergrund, und ich höre die Ergebnisse der Ersten Liga. Fußball ist etwas, was Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbindet. Auf meinen bisherigen Reisen geschah es nicht selten, dass Kinder auf mich zukamen und riefen: „Arsenal“ oder „David Beckham“. Aber in Nepal ist Fußball derzeit keine Kultur und auch kein Sport; vielmehr bedeutet ein Fußballstadion derzeit Obdach für 600 bis 700 Menschen. Und sie alle brauchen Hilfe.

Die Werte von Islamic Relief umfassen Hingabe und Aufrichtigkeit, und bevor ich die Situation vor Ort mit eigenen Augen gesehen habe, spüre ich tiefes Mitgefühl für meine Brüder und Schwestern in Nepal.

In einer Welt, in der wir so viel haben, ist es nicht akzeptabel, dass diese Menschen weiter leiden müssen. Und ich weiß von den Spenden, die Islamic Relief für Nepal aus der ganzen Welt erhalten hat, dass viele Menschen ebenso empfinden. Die ganze Welt ist von dieser Tragödie betroffen.Über die logistischen Probleme, denen die Helfer ausgesetzt sind, wurde bereits berichtet. Die Flughäfen sind klein, die Straßen unzugänglich, das Land ist stark von Import abhängig und hat dementsprechend wenig Reserven.

Wenn man einer Familie begegnet, die keine warmen Mahlzeiten gegessen hat und deren Lippen aufgesprungen sind von der Dehydrierung, sind die logistischen Probleme zwar ein nachvollziehbarer Grund, warum die Hilfe noch nicht zu ihnen gelangt ist, gleichzeitig ist dies aber ein unzureichender.

Dieser Meinung sind viele bei Islamic Relief. Die Menschen in Nepal sollten überleben. Doch dafür brauchen sie Nahrung, Wasser und Unterkunft, und wir arbeiten daran neue Wege zu finden, um Hilfsgüter ins Land zu bekommen.

Das letzte, was ich in meinen Koffer packe, ist etwas, was normalerweise Touristen einpacken. Meine Kamera. Wenn ich in Nepal bin, werde ich die Schicksale der Menschen einfangen und darüber berichten – ebenso über den Gemeinschaftsgeist, die Stärke und Entschlossenheit, die ich hoffentlich dort vorfinden werde.

Ich möchte all dies mit euch teilen – nicht nur, damit ihr erfahrt, wie eure Spenden verwendet werden, sondern auch um inmitten der Herausforderungen und Nöte der Menschen die Menschen selbst kennenzulernen. Ihre Leben und Familien, ihre Ziele und Träume. Nur dann können wir wirklich mit ihnen sein und ihnen helfen, ihr Leben neu aufzubauen."

Fadi Itani von Islamic Relief Worldwide, der sich derzeit in Nepal befindet, erläutert die Herausforderungen für Hilfsorganisationen und berichtet über die Zerstörung und die Stärke, die er erlebt.

"Nach einer langen nächtlichen Reise erreiche ich schließlich Kathmandu. Während die Hotels voll mit Helfern sind erzählt mir der Taxi-Fahrer, dass die Innenstadt menschenleer ist, während die Hauptstadt sonst immer überfüllt ist. Es ist abends, aber die Dunkelheit kann das Ausmaß der Zerstörung nicht überdecken. Nichts blieb hier unzerstört, nichts wurde verschont: die Trümmer zerstörter Häuser säumen die Straßen.

In Gemeinden außerhalb Kathmandus musste es noch viel schlimmer aussehen. Viele Dörfer sind vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten und nur per Flugzeug zu erreichen. Es gibt nicht genug Hubschrauber, und LKWs sind knapp, da viele Fahrer nach Hause gefahren sind, um ihren Familien zu helfen.

Das Land benötigt mehr Hilfe und Unterstützung, um dort Hilfe zu leisten, wo sie am meisten nötig ist. Die Logistik ist eine große Herausforderung, zumal der kleine Flughafen sehr schlecht ausgestattet ist und die Menge der Hilfslieferungen und Flugzeuge kaum bewältigen kann.

Umso mehr wird uns bewusst, dass wir uns mit unserer Hilfe beeilen müssen. Wir müssen betroffene Menschen erreichen, bevor die Regenzeit beginnt, denn diese macht den Zugang zu ihnen noch schwieriger als er bereits ist. Viele sind dringend auf Nahrung, Wasser und Unterkunft angewiesen.

Das Nothilfe-Team von Islamic Relief hat bereits Nahrung an Familien verteilt, die durch das verheerende Erdbeben alles verloren haben. Im Gebiet Sindhupal Chowk haben wir 500 Lebensmittelpakete an die am stärksten betroffenen Menschen verteilt, die Reis, Speiseöl, Nudeln und Streichhölzer enthielten.

Nach Schätzungen der UN benötigen derzeit etwa 3 Millionen Menschen in Nepal derzeit dringend Nahrungsmittelhilfe. Hinzu kommen Unterkunft und Wasser. Trotz der großen Not haben mich die Nepalesen, die ich getroffen habe, mit Hoffnung erfüllt. Sie sind beeindruckend widerstandsfähig tun ihr Bestes, um ihren Alltag so gut es geht wieder aufzunehmen – während sie an die 6.800 Menschen denken, die sterben mussten.

Leider ist abzusehen, dass sich diese Zahl noch weiter erhöht, je mehr das Ausmaß der Zerstörung sichtbar wird. Die Chance, weitere Überlebende unter den Trümmern zu finden, ist laut der nepalesischen Regierung extrem gering.

Dieses Erdbeben war für Nepal das verheerendste seit 80 Jahren. Eine Woche nach der Katastrophe sind immer noch Menschen unter den Trümmern begraben. Familien übernachten noch immer unter freiem Himmel, und Krankenhäuser versuchen der Situation und dem großen Bedarf gerecht zu werden.

Die Menschen hier brauchen dringend Hilfe – so schnell wie möglich! Islamic Relief arbeitet rund um die Uhr, um den Menschen vor Ort zu helfen. Bitte unterstützen Sie uns dabei!"