14.05.2014 | Aktuelles Islamic Relief Deutschland Jordanien

Interview mit der Projektmitarbeiterin Marie Rufert

Marie Rufert, Projektmitarbeiterin bei Islamic Relief Deutschland, war vom 23. bis 29. März 2014 in Jordanien. Dort besuchte sie das neue Projekt von Islamic Relief, dem Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung und dem Deutsch-Syrischen Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte (DSV) zur Rehabilitation und Prothesenversorgung von verwundeten Syrern. Anschließend nahm sie zusammen mit Simona Daugnoraite, Koordinatorin des Personals bei Islamic Relief Deutschland, an einer Konferenz teil, die Vertreter des Personalwesens von Islamic Relief-Büros auf der ganzen Welt zusammenbrachte. Die Redaktion führte ein Interview mit Marie Rufert, in dem sie über ihre Reise berichtet.

Marie, was waren die Stationen deiner Reise?

Am Sonntag, dem 23.03., bin ich in Amman angekommen. Am nächsten Tag machte ich mich direkt auf den Weg ins Büro, um dort einige Kollegen zu treffen. Schließlich fuhr ich mit Kollege Hamza nach Irbid, wo ich unser Projektbüro besuchte und mit den Mitarbeitern sprach. Dort wurde mir detailliert erklärt, welchen Prozess die Verteilung von Vouchers für Lebensmittel an die syrischen Flüchtlinge durchlaufen. Dann fuhren wir zum Reha-Zentrum, das seit Kurzem in Betrieb ist und hauptsächlich vom DSV betreut wird.

Was waren deine Eindrücke vom Rehabilitations-Zentrum?

Der Bedarf an einem solchen Angebot ist enorm. So war das Zentrum voll mit Menschen, draußen wie drinnen. Draußen im Vorhof machten die Verwundeten etwa Gehübungen. Es handelte sich größtenteils um syrische Flüchtlinge. Ein Verantwortlicher vom DSV hat mich durch das Gebäude geführt und mir alles erklärt. Ich traf auch die Mitarbeiter vor Ort, zum Beispiel eine halbtags arbeitende Physiotherapeutin, die speziell Frauen behandelt. Neben ihr gibt es drei weitere Physiotherapeuten, zwei in Vollzeit und einer in Teilzeit, sowie eine Büroangestellte und eine Reinigungskraft.

Mit zwei Patienten redete ich intensiver und befragte sie zu ihrer Situation. Dabei hat mich vor allem das Schicksal von Omar bewegt (lesen Sie hier seine und eine weitere Geschichte). Trotz seiner schweren Verletzung war der junge Mann, der übrigens fließend Englisch sprach, sehr dankbar. Er war glücklich, Hilfe zu erhalten. Es war faszinierend für mich zu sehen, wie er voller Hoffnung in die Zukunft blickte.

Wie haben die vielen Menschen vom Angebot des Rehabilitations-Zentrums erfahren?

Das meiste hier läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda. Das Zentrum wird weiterempfohlen. Die Nachfrage ist wirklich riesig, was auch daran liegt, dass dies das einzige Rehabilitations-Zentrum in einem Umkreis von mindestens 50 Kilometern ist. Viele würden gern jeden Tag kommen, um ihre schnelle Genesung zu fördern. Das kann aber das Zentrum bis jetzt nicht bewältigen, weshalb die meisten nur zwei oder drei Tage in der Woche behandelt werden. Die Menschen, die zum Zentrum kommen, sind zum einen Patienten mit schweren Kriegsverletzungen, zum anderen welche mit chronischen Erkrankungen. Fokus unseres Projekts liegt natürlich vor allem auf den Kriegsverletzten.

Wie siehst du den Wert des Projekts?

Schon jetzt ist deutlich sichtbar, dass das Projekt dem Bedarf der syrischen Flüchtlinge an medizinischer Versorgung entspricht. Das sehen wir an den hohen Besucherzahlen, dem Engagement der Mitarbeiter und Involvierten und der positiven Resonanz. Wir sind glücklich, dass das Projekt durch die Unterstützung des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung noch eine Weile gefördert werden kann.

Was war das Ziel der HR-Konferenz, an der du teilgenommen hast?

Eine derartige Konferenz fand in dem Format das erste Mal statt. Dass Mitarbeiter des Personalwesens aus der weltweiten Islamic Relief-Familie an einem Ort zusammentreffen, war in dieser Form einmalig. Die Bandbreite an Vertretern war groß - so kamen die Teilnehmer aus Bangladesch, Albanien, Kosovo, Russland, Tschad, Pakistan, Afghanistan, Irak, Sudan, Südafrika, Indonesien, Australien, Malaysia, England, Deutschland, Jordanien, Indien, Somalia, Kenia und Äthiopien. Die Konferenz förderte den Austausch und die Vernetzung untereinander sehr und half uns, Chancen und Herausforderungen des Personalmanagements globaler zu sehen und anzugehen.

Seit Kurzem gibt es bei Islamic Relief regionale HR-Manager: einen für Nahost und Osteuropa, einen für Asien und einen für Afrika. Sie sind für die Projektbüros in den einzelnen Ländern Ansprechpartner bei Fragen oder Problemen. Dieses Modell ermöglicht eine bessere und flüssigere Kommunikation als zuvor, die in Zukunft weiter gefördert werden soll.

Was war der Schwerpunkt der Konferenz?

Der gegenseitige Austausch lag eindeutig im Fokus und wurde auch durch Gruppenarbeiten und Präsentationen des eigenen Bereichs gefördert. Jeder konnte sich gleichberechtigt beteiligen. Am Ende der Konferenz wurden gemeinsam Action Points formuliert. Sie sollen dabei helfen, Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen und die Strategie von Islamic Relief Worldwide in Bezug auf Human Resources (HR) zu optimieren. Der Output war also durchaus ergiebig.

Was hat dich am meisten beeindruckt?

Abdelrahman Essam ist Head of Mission und verantwortlich für die Projekte von Islamic Relief in Syrien und der Türkei. Er beschrieb die großen Herausforderungen, vor denen er im Bereich Human Resources immer wieder steht. Die Mitarbeiter müssen teilweise unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten und die Projekte unter widrigen Umständen realisieren. Das hat mir gezeigt, welche Unterschiede es im Personalwesen gibt. So hat Islamic Relief Deutschland etwa seine Prozesse sehr gut an den Ablauf von Islamic Relief Worldwide angepasst.

Beeindruckend war auch dieses Wir-Gefühl, das bei der Konferenz aufkam. Dass wir tatsächlich eine Islamic Relief-Familie sind, habe ich hier am eigenen Leib gespürt.

Mit welchen Impulsen hast du die Konferenz verlassen?

Zum Abschluss der Konferenz besuchte uns Dr. Mohamed Ashmawey, Geschäftsführer von Islamic Relief Worldwide. Er bezeichnete das Personalwesen als Rückgrat der Organisation und fasste die auf der Konferenz angesprochenen Punkte sehr gut zusammen.

Mir ist durch die Konferenz klar geworden, dass der Bereich HR wirklich einen wichtigen Part in der Gesamtstrategie von Islamic Relief einnimmt, der nicht zu unterschätzen ist. Durch die Konferenz habe ich verstanden, wie die einzelnen Bereiche, Länder und Büros von Islamic Relief miteinander vernetzt sind und miteinander agieren. Die Konferenz war für mich sehr rund und ich freue mich, dass etwas Derartiges nun in regelmäßigen Abständen angeboten werden soll.

Vielen Dank, liebe Marie!

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Lesen Sie hier die Geschichten von Omar und Ruwaida

Marie Rufert (in der Mitte) und Simona Daugnoraite (rechts) von Islamic Relief Deutschland auf der HR-Konferenz in Jordanien.