13.04.2017 | Allgemeine Projekte Islamic Relief Deutschland

MuTeS auf dem Bundeskongress der Notfallseelsorge

Vom 30. März bis 1. April 2017 fand der 18. Ökumenische Bundeskongress für Notfallseelsorge und Krisenintervention unter dem Leitthema "Wi(e)der stehen! - Resilienz in Notfallseelsorge und Krisenintervention" in Hannover statt. Auch Imran Sagir war dabei. Er leitet das Muslimische SeelsorgeTelefon (MuTeS) und zugleich auch die Muslimische Notfallseelsorge in Berlin, die seit letztem Jahr der achte (noch nicht offizielle) Träger der Berliner Notfallseelsorge/Krisenintervention ist. MuTeS und die Muslimische Notfallseelsorge stehen unter der Trägerschaft von Islamic Relief Deutschland. Im letzten Jahr wurden erstmalig 14 muslimische Notfallseelsorger ausgebildet, die bei Bedarf bereitstehen. Für ihr Engagement wurde die Muslimische Seelsorge mit dem Sonderpreis „Helfende Hand“ ausgezeichnet.

Imran Sagirs Ziel im Rahmen des Kongresses war es, sich für die Weiterentwicklung der Muslimischen Notfallseelsorge inspirieren zu lassen und neue Kontakte zu knüpfen. So waren beim Kongress 600 vornehmlich ehrenamtliche Notfallseelsorger aus dem gesamten Bundesgebiet anwesend.

Das Wort Resilienz, um das es bei diesem Kongress ging, beschreibt die psychische Widerstandsfähigkeit, also die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Dies ist bei der Notfallseelsorge, bei der die Seelsorger häufig schwierige oder gar traumatische Situationen erleben, von großer Bedeutung.

„Besonders interessant fand ich den Hauptvortrag zum Thema Akuttrauma und die Folgen –vom Überleben zurück zum Leben“, so Imran Sagir. Der Vortrag wurde vom Psychiater und Psychotherapeutin Lutz-Ulrich Besser gehalten. „Dort ging es auch darum, welche Phasen der Notfallseelsorger nach einem Einsatz durchläuft und wie er das Erlebte am besten verarbeiten kann.“

Über das Erlebte zu sprechen ist dafür sehr wichtig, weshalb Imran Sagir in Zukunft neben der Möglichkeit zur Einzelsupervision auch Teamtreffen in seinem Team noch stärker verankern möchte, um starken psychischen Belastungen unter den Seelsorgern vorzubeugen, die Resilienz zu stärken und Zeichen für eine Überbelastung rechtzeitig zu erkennen. Dabei darf aber nicht vergessen werden: „Resilienz ist nur bedingt erlernbar, so die meisten Wissenschaftler. Ein großer Teil zu dieser Fähigkeit ist aber angeboren.“

Auch aus dem Workshop „Steine, wollt ihr Notfallseelsorger werden?“ – „Nein, dafür sind wir nicht hart genug!“ nahm Imran Sagir viel mit. Hier ging es darum, die eigenen Kraftquellen zu betrachten und sie zu stärken. Exemplarisch wurde ein Fall herangezogen, den die betroffene Seelsorgerin nur schwer verarbeiten konnte. Was hätte man anders oder besser machen können?, war dabei die Frage an die anwesenden Seelsorger.

Imran Sagirs Fazit: Der Islam fördert Resilienz, denn er fordert dazu auf, die eigenen Kraftquellen auszuschöpfen – sei es durch spirituelle Handlungen wie das Gebet oder Bittgebete, aber auch durch das Zusammensein mit Familie und Freunden, das Achten auf den Körper durch Sport und gesunde Ernährung. Dies ist ein Grund mehr für ihn, sich dem Thema in Zukunft auch in der Praxis seiner Arbeit stärker zu widmen.

Das Team der Muslimischen Notfallseelsorge bei der Verleihung des Sonderpreises "Helfende Hand"