28.07.2016 |

MuTeS beim Internationalen Telefonseelsorge-Kongress in Aachen

Unter dem Motto „For life to go on“ fand vom 19. bis 22. Juli 2016 der 20. Kongress der International Federation of Telephone Emergency Services (IFOTES) in Aachen statt, an dem rund 1.600 Telefonseelsorger aus 33 Ländern teilnahmen. Auf diesem Kongress wurde auch das 60-jährige Bestehen der Telefonseelsorge in Deutschland und das 50-jährige Bestehen von IFOTES begangen. Auch neun ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Muslimischen SeelsorgeTelefons (MuTeS), einem 2009 initiierten Inlandsprojekt von Islamic Relief Deutschland, reisten von Berlin nach Aachen, um sich mit anderen Telefonseelsorgern auszutauschen und ihre Kenntnisse im Bereich des psychosozialen Dienstes am Telefon zu vertiefen und zu erweitern. MuTeS ist seit 2013 Vollmitglied bei IFOTES.

Der diesjährige Kongress widmete sich dem Thema Suizid (Selbstmord) bzw. Suizidprävention – einem gesellschaftlich überaus relevanten Thema, vor dem Hintergrund einer steigenden Rate von jährlich 1 Million Todesfällen durch Suizid weltweit und etwa 10.000 Suizid-Todesfällen in Deutschland. In Vorträgen, Foren und Workshops wurde das Thema in all seinen Facetten aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Internationale Referenten aus den Bereichen der Psychologie, der Psychotherapie, Philosophie und der Seelsorge präsentierten empirische Studien und bewährte Methoden im Umgang mit suizidalen Personen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten nicht nur Einblick in die aktuelle Forschung, sondern praktische Handlungsanleitungen für ihre Arbeit am Telefon und die Möglichkeit, sich mit Experten auszutauschen. Dabei wurde immer wieder die Wichtigkeit der Beziehung zu dem Anrufenden betont sowie die offene und wohlwollende Grundhaltung des Seelsorgers.

Eine hilfreiche Methode stellt beispielsweise die Motivierende Gesprächsführung dar, die die Natürlichkeit der Angst hervorhebt und einen Umgang mit der Trauer sucht. Besonders bereichernd waren persönliche Erfahrungsberichte von Überlebenden von Suizidversuchen bzw. Angehörigen, durch die den Teilnehmern ein Eindruck von den inneren Gefühlen der suizidgefährdeten Personen vermittelt wurde, was das schwere und belastende Thema Suizid etwas greifbarer machen sollte. Als einige der häufigsten Gründe für Suizid wurden sowohl psychische und lebensbedrohliche Erkrankungen als auch Einsamkeit, Trennung und Ausgrenzung angeführt, die Betroffene meist als aussichtslose Situationen erleben.

Auch auf die Themen Religion und Spiritualität wurde in unterschiedlichen Vorträgen und Workshops Bezug genommen, da sie zum Menschsein dazugehören und oftmals Quelle des Trostes und der Hoffnung sind. So diskutierten etwa der Vorsitzende der Gesellschaft für interkulturelle Seelsorge und Beratung, Helmut Weiß, der Leiter der Kirchlichen Telefonseelsorge (KTS) in Berlin, Uwe Müller, die Leiterin der russischsprachigen Telefonseelsorge Doweria, Tatjana Michalak, und der Geschäftsführer von MuTeS, Mohammad Imran Sagir, im Forum „Nur in Gemeinschaft kann das Leben weitergehen – Distanz, Toleranz, Akzeptanz, Allianz“, das maßbeglich von MuTeS mitorganisiert war, über die Bedeutung der interkulturellen und interreligiösen Zusammenarbeit im Bereich der Telefonseelsorge. Am Beispiel der Zusammenarbeit der drei Telefonseelsorgedienste wurde die Relevanz des Zusammenwirkens der Religionen und Kulturen für die Gesellschaft insgesamt herausgearbeitet. Deshalb gelte das Motto: „ So viel Zusammenarbeit wie möglich und so viel Trennung wie nötig“, so Mohammad Imran Sagir. Moderiert wurde das Panel von der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Vorsitzenden des Begegnungs- und Fortbildungszentrums Muslimischer Frauen (BFMF) in Köln, Erika Amina Theißen.

Wie bedeutsam die Präsenz muslimischer Telefonseelsorger auf dem Kongress war, spiegelte sich in zahlreichen, angeregten Gesprächen und interessierten Nachfragen sowie der positiven Resonanz wider. Dabei wurde das Projekt MuTeS von mehreren Seiten gelobt und immer wieder als wichtiger gesellschaftlicher Beitrag hervorgehoben. Auch für die Telefonseelsorgerinnen und -seelsorger von MuTeS war der Kongress eine bereichernde Erfahrung, die sie in ihre Arbeit hineintragen und zum Wohle der Anrufenden nutzen werden, um ein - gemeinsames - Weiterleben zu ermöglichen.

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Erika Theißen (BFMF), Helmut Weiß (SIPCC) und Mohammad Imran Sagir (MuTeS) während einer Podiumsdiskussion auf dem IFOTES-Telefonseelsorge-Kongress 2016