11.09.2014 |

Simone Walter, Nothilfe-Koordinatorin von Islamic Relief Deutschland, war im türkischen Reyhanlı

Im Rahmen eines Workshops für Beteiligte des Projekts zur Aufrechterhaltung des Betriebs in diversen Einrichtungen der Basisgesundheitsversorgung in Syrien besuchte Simone Walter, Nothilfe-Koordinatorin von Islamic Relief Deutschland, die Islamic Relief-Präsenz im türkischen Reyhanlı, nahe der syrischen Grenze. Wir sprachen mit ihr über den Besuch und ihre Eindrücke.

 

Simone, was war der Grund deines Besuchs in Reyhanlı?

Simone Walter: Für das Projekt zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung, das wir schon Ende letzten und Anfang diesen Jahres durchgeführt haben, erhielten wir kürzlich eine erneute Förderung vom Auswärtigen Amt in Höhe von rund 2,9 Millionen Euro. Damit starten wir nun ein neues Projekt, das die Arbeit des vorherigen im Wesentlichen weiterführt, allerdings in erweiterter Form. Wir werden auch dieses Projekt mit dem Islamic Relief-Einsatzstab Syrien in der Türkei sowie dem Deutsch-Syrischen Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte e.V. (DSV) gemeinsam umsetzen. Zum Start des neuen Projekts haben wir einen Auftakt-Workshop jeweils mit dem DSV und nun in der Türkei mit dem Syrien-Einsatzstab von Islamic Relief durchgeführt. Die Komponente des DSV umfasst bei dem neuen Projekt die Unterstützung von sechs, eventuell bald sieben Krankenhäusern in Syrien, die durch Medikamente, Gehälter und Übernahme von Nebenkosten unterstützt werden. Die Komponente, die vom Syrien-Einsatzstab von Islamic Relief übernommen wird, beinhaltet die Belieferung verschiedener Krankenhäuser mit medizinischem Material, Blutkonserven für Blutbanken, die Ausstattung eines Schulungszentrums mit Geräten und Medikamente für Dialysezentren.

Wie verlief der Workshop vor Ort?

Simone Walter: Ich hatte das Glück, sogar zwei Workshops machen zu können. Zum einen setzte ich mich mit dem Islamic Relief-Einsatzstab für Syrien zusammen, dem Büroleiter sowie den jeweiligen Zuständigen für Programme, für Gesundheit und für Finanzen, denen ich die Richtlinien des Auswärtigen Amtes für die Projektarbeit erklärte. Außerdem hat Safouh Labanieh vom DSV, der ebenfalls vor Ort war, die Koordinatoren aller sechs Krankenhäuser des Projekts aus Syrien eingeladen, die trotz schwieriger Umstände letztlich alle anreisen konnten, was anfangs nicht klar war. So konnte auch mit ihnen noch einmal die Details des Projekts und der zugehörigen Abläufe besprochen werden. Es war gut, dass sich die Beteiligten einmal persönlich kennenlernen konnten. Es sind sehr engagierte Menschen, die das Projekt mit vielen guten Ideen und Vorschlägen bereichern.

Hattest du neben dem Workshop noch andere Tätigkeiten in Reyhanlı oder der Region?

Simone Walter: Mein Besuch dauerte nur zwei Tage; dennoch hatte ich neben den Workshops noch Zeit, gemeinsam mit dem Einsatzstab an einem UN OCHA-Meeting teilzunehmen, was sehr interessant war. Zahlreiche Hilfsorganisationen waren dort vertreten. Eine eindrückliche Erfahrung war es für mich auch, den Grenzübergang zu Syrien zu sehen, der nur wenige Kilometer von Reyhanlı entfernt liegt. Dort stehen LKWs kilometerlang in Richtung Syrien an. An dem Tag, an dem wir dort waren, gab es gerade eine Protestaktion von LKW-Fahrern, die sich über die lange Wartezeit beschwerten – denn sie müssen bis zu zwei Wochen warten, bei Temperaturen von 37 Grad und mehr. Viele haben Zement und Mehl geladen. LKWs mit Waren, die keine Hilfsgüter sind, müssen anstehen, während Transporte von Hilfsgütern eigentlich vorbeifahren dürfen. Aber auch diese müssen ihre Güter, wie die anderen LKWs auch, an der Grenze zunächst auf andere LKWs umladen, die die Ladung dann innerhalb Syriens weiter transportieren – ein Aufwand, der natürlich zu enormen Verzögerungen führt. Und bei Hilfstransporten muss auch der LKW, der die Güter auf der syrischen Seite abnimmt, von einer Hilfsorganisation genutzt werden. Daher können nur etwa höchstens 40 LKWs pro Tag abgefertigt werden.

Konntest du auch syrische Flüchtlinge sehen?

Simone Walter: In der Stadt Reyhanlı gibt es sehr, sehr viele; die Einwohnerzahl hat sich mehr als verdoppelt. Man sieht Menschen, die auf der Suche nach Arbeit am Straßenrand stehen, und auch sonst sind Flüchtlinge überall präsent. Eines der Flüchtlingslager der Region konnte ich aber im Rahmen dieses kurzen Aufenthalts nicht besuchen.

Welche sonstigen Aktivitäten führt der Syrien-Einsatzstab von Islamic Relief durch?

Simone Walter: Der Einsatzstab betreut eine große Zahl von Projekten, teils aus dem Bereich medizinische Versorgung, zum größten Teil aber Verteilungen von Lebensmitteln und anderen - auch medizinischen - Hilfsgütern in Syrien, die von den verschiedenen Islamic Relief-Organisationen und deren Spendern unterstützt werden. Aktuell sucht der Einsatzstab in Reyhanlı weiteres Personal, um die Arbeit besser bewältigen zu können.

Simone, vielen Dank für das Gespräch!

 

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Kilometerlange LKW-Schlangen am Grenzübergang zu Syrien

Islamic Relief-Nothilfekoordinatorin Simone Walter