UNO-Bericht zur humanitären Lage

11. Januar 2009

„Es gibt keinen sicheren Ort im Gazastreifen - keinen Zufluchtsort, keinen Schutz vor den Bomben und die Grenzen sind geschlossen, so dass die Menschen nicht einmal fliehen können.“

Auszug aus der Presseerklärung der UN zu den jüngsten Vorkommnissen am 15.01.2009

Der Präsident der Generalversammlung der Vereinten Nationen, Miguel D’Escoto Brockmann, rief eine Dringlichkeitssitzung ein, da trotz der Verabschiedung der UN Resolution 1860 vergangene Woche „die unnachgiebigen Angriffe weitergehen. Gaza steht in Flammen.“

Zu viele UN Mitarbeiter wurden getötet oder schwerverletzt und zu viele UN Gebäude wurden beschädigt oder zerstört, sagte er in seiner Eröffnungsrede. Am Vormittag bombardierte das israelische Militär die Zentrale der UNRWA in Gaza-Stadt, während sich der Generalsekretär (Ban Ki Moon) auf einem Besuch im Land befand.

Die stellvertretende Generalsekretärin Asha-Rose Migiro bezeichnete die unaufhörliche Gewalt und das Leiden als unakzeptabel. „Es steht außer Frage, dass sich die Zivilbevölkerung Gazas in einer akuten und sich verschlimmernden humanitären Krise befindet“, betonte sie. Ganze Familien haben ihren Tod gefunden, Frauen und Kinder, UN Mitarbeiter und medizinisches Personal. Die Gewalt muss gestoppt. „Wir können nicht noch mehr Zeit verlieren“, sagte sie. Das Leiden der Bevölkerung muss enden.

Die derzeitige Situation ist unhaltbar und darf nicht fortgeführt werden, sagte Brockmann. Sollten die gemeinsamen Bemühungen, die Waffenruhe zu beschließen, scheitern, hat die palästinensische Bevölkerung keine andere Möglichkeit als zum Sicherheitsrat zurückzukehren und die Verabschiedung einer Resolution unter Kapitel VII der UN Charta zu bewirken. Dann können die richtigen Mittel Israel zwingen, die Verletzungen des internationalen Rechts und der Menschenrechte zu beenden.

Unter dem Link können Sie das englische Original lesen:

http://www.un.org/News/Press/docs//2009/ga10807.doc.htm

 

Der Bericht gibt die Lage im Gazastreifen vom 01.01. bis 08.01.2009 wider.

Fakten:

  • 758 Tote, darunter 42% Frauen (60) und Kinder (257)
  • Todesopfer unter Kindern stieg um 250% seit dem Beginn der Bodenoffensive am 3. Januar.
  • 33 Zivilisten starben bei Angriff auf eine UNRWA-Schule, die als Flüchtlingslager diente.
  • 16.000 Binnenflüchtlinge sind in 23 UN-Flüchtlingslagern untergekommen.
  • 75% der Bevölkerung haben seit dem 4. Januar keinen Strom mehr.

Gesundheitswesen:

  • Rettungsteams werden teilweise nicht zu den Verletzten durchgelassen.
  • 6 Rettungssanitäter starben und 30 wurden in der letzten Woche verletzt.
  • 11 Krankenwagen wurden beschossen.
  • Intensivstationen sind überfüllt.
  • Ärzte arbeiten rund um Uhr, Mangel an medizinischem Fachpersonal
  • Lebensgefahr für 700-1000 chronisch Kranke, die regelmäßig in israelischen Krankenhäusern behandelt wurden.

Wasser & Sanitär:

  • 800.000 Menschen haben seit dem 7. Januar keinen Zugang zu sauberem Wasser.
  • Zerstörte Abwasseranlagen gefährden die Gesundheit der Bevölkerung.
  • 15.000 Menschen in direkter Gefahr durch mögliche Überflutung des Abwasserbeckens in Beit Lahiya.
  • 38 der 130 Wasserbrunnen in Gaza funktionieren nicht aufgrund des Mangels an Treibstoff.
  • 45 davon arbeiten nur zeitweilig

Lebensmittel:

  • 80% der Bevölkerung im Gazastreifen ist auf humanitäre Hilfe angewiesen. 
  • 265 Lastwagen lieferten Mehl, was jedoch aufgrund der anhaltenden Kämpfe nicht vollständig ausgeliefert werden konnte.
  • Nur 9 Bäckereien sind im Gazastreifen geöffnet, da weder Gas zum Backen noch Mehl ausreicht.
  • Verdopplung der Brotpreise
  • Mangel an Reis, Zucker, Milchprodukten, Lebensmitteln in Dosen und frischem Fleisch aufgrund der Grenzschließung und der Zerstörung vieler Tunnel an der Grenze zu Ägypten.
  • 265.000 Begünstigte werden derzeit mit Lebensmitteln versorgt.