19. Januar 2010
Internationale Helfer bemühen sich, die Überlebenden mit Lebensmitteln und medizinisch zu versorgen. Viele Menschen sind verletzt und leben derzeit in provisorischen Zelten auf den Straßen zwischen dem Schutt und verwesenden Körpern. Der Gesundheitsminister Alex Larsen berichtete Reuters, drei Viertel von Port-au-Prince müsse wieder aufgebaut werden. Die geschwächte Haitianische Regierung ist nicht in der Lage, die Krise zu bewältigen.
Hungrige Einwohner von Port-au-Prince stritten sich um Lebensmittel, die von UN LKWs ausgegeben wurden. Ein hoher UN Beamter warnte vor Ausschreitungen, wenn die Hilfslieferungen nicht bald einträfen, momentan sei die Lage aber noch unter Kontrolle. Nach Angaben von OCHA werden derzeit vier Verteilungszentren errichtet. Mindestens 20.000 Zelte und Materialien zum Bau von vorübergehenden Unterkünften werden benötigt. Die logistischen Herausforderungen und Straßen, die unter Schutt begraben sind verlangsamen die Verteilung von Medikamenten und Lebensmitteln.
Nach und nach bessert sich die Situation, insbesondere nachdem internationale Ärzteteams am Sonntag beschädigte Krankenhäuser und Kliniken übernahmen, in denen Menschen schwerverletzt und tagelang ohne medizinische Versorgung ausharren mussten.
Islamic Relief Hilfsmaßnahmen
Islamic Relief Worldwide hat ein Notfallteam nach Haiti entsandt, das demnächst Verstärkung erhalten soll. Laut dem Team gibt es viele Plündereien, besonders junge Leute suchen nach allem Brauchbaren, was sie ihren Familien mitbringen können. Der Nahrungsmittelmangel ist akut und die Stromversorgung zusammengebrochen.
Die Islamic Relief Mitarbeiter haben 1.000 Zelte in der benachbarten Dominikanischen Republik gekauft und werden sie so bald wie möglich mit LKWs nach Haiti transportieren. Es ist fast unmöglich, direkt vor Ort Hilfsgüter zu kaufen, deshalb muss das Team eine sechsstündige Fahrt auf sich nehmen. Der Leiter des Notfallteams, Moustafa Osman, berichtet uns regelmäßig von den Such- und Rettungsaktionen und hält Islamic Relief mit Neuigkeiten über die Sicherheitslage, die Verteilungen von Nothilfegütern sowie die Nutzungsmöglichkeiten des Flughafens von Port-au-Prince auf dem Laufenden.
Das Islamic Relief Team koordiniert derzeit die Nothilfeleistung für 1.000 betroffene Familien, die mit Wasser, Lebensmitteln und Unterkünften versorgt werden sollen. Des Weiteren werden Vorbereitungen für die nächsten Nothilfeprogramme sowie langfristige Wiederaufbauprojekte getroffen.
Hintergrundinfos
Haiti ist mit seinen 10 Millionen Einwohnern das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Jahrzehnte der Armut, Umweltverschmutzung, Gewalt, Instabilität und Diktatur haben es zum ärmsten amerikanischen Staat gemacht.
Ein starkes Erdbeben der Stärke 7.0 auf der Richterskala traf Haiti am 12. Januar gegen 17 Uhr. Am stärksten war es 15 km von der Hauptstadt Port-au-Prince und in den äußeren Bezirken Grand und Pepite Goave. Port-au-Prince wurde zu großen Teilen zerstört.