28. Februar 2009
Die Nachkriegszeit in Gaza kann am besten mit dem Wort „Katastrophengebiet“ beschrieben werden. Am schlimmsten betroffen sind das Dschabaliya Lager und die Gegend Atatra im Norden des Gazastreifens sowie die Region Khuzaa im Süden und das Viertel Zaitun in Gaza-Stadt. Die Familien dort befinden sich in einer verzweifelten Notlage, denn die Häuser von Hunderten wurden vollständig zerstört. Die winterlichen Temperaturen treffen vor allem diejenigen, die in provisorischen Unterkünften leben müssen und daher den harten Wetterbedingungen schutzlos ausgeliefert sind.
Gesundheit
Die Situation im Gesundheitswesen hat sich kaum verändert. Zahlreiche Lieferungen mit medizinischen Einwegartikeln und bestimmten Medikamenten dürfen die Grenzen von Israel nach Gaza nicht überqueren. Der Mangel an einer bestimmten Sorte an Medikamenten stellt immer noch eine enorme Belastung bei der Behandlung von tausenden palästinensischen Patienten dar.
Die Einfuhr einiger Arzneimittel und medizinischer Einwegartikel in den Gazastreifen von Israel aus wurde untersagt, auch wenn Islamic Relief diese im Westjordanland eingekauft hat. Meist sind die nicht erlaubten Medikamente aber nicht genau angegeben. Das Gesundheitsministerium machte diesbezüglich unterschiedliche Angaben.
Die Bettenanzahl reicht in einigen Krankenhäusern nicht für die Vielzahl an Patienten aus. Einige Fälle werden für eine weitergehende Behandlung in Krankenhäuser in Ramallah und Jerusalem verlegt. Rund 35 Patienten werden jeden Tag außerhalb des Gazastreifens gebracht um dort behandelt zu werden.
Wasser & Sanitär
Vier Wasserbrunnen in Beit Hanun, Gaza-Stadt und Dschabaliya wurden vollständig zerstört sowie mehrere Wasserleitungen beschädigt. Die Abwasserleitungen in Gaza-Stadt, Beit Hanun, Dschabaliya und Beit Lahiya wurden ebenfalls schwer beschädigt.
Es werden dringend Leitungsrohre, Zement, Wasserpumpen, Stromgeneratoren, Rohrverbindungen sowie weitere Ausrüstung benötigt.
Die Ash-Sheikh Ijleen Kläranlage, die ein Gebiet mit 400.000 Einwohnern versorgt, wurde in der zweiten Woche des Krieges bombardiert und ist seitdem nicht mehr funktionsfähig. Das Gesundheitsministerium gibt an, dass ca. 1/5 der Bevölkerung im Gazastreifen keinen Zugang zu Trinkwasser hat und deshalb Wasser selbst kaufen muss.
Lebensmittel
Viele Einwohner des Gazastreifens haben weiterhin Schwierigkeiten an Nahrungsmittel zu kommen. Grund dafür ist der Mangel an Lebensmitteln auf lokalen Märkten und die Nichtverfügbarkeit von Geld. 88% der Bevölkerung des Gazastreifens sind registriert für die Versorgung mit Nahrungsmittelspenden der Hilfsorganisationen, darunter auch bei Islamic Relief.
Energie
40% der Bevölkerung hat derzeit keinen Strom. Für die restlichen 60% ist Strom zeitweise verfügbar. Im Norden des Gazastreifens können die Haushalte lediglich 6 Stunden pro Tag Strom nutzen. Ersatzteile werden dringend benötigt, um die Leitungen zu reparieren.
Grenzübergänge
- Der Übergang Karim Schalom ist geöffnet und täglich können zahlreiche Lastwagen beladen mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Hilfsgütern die Grenze in den Gazastreifen passieren.
- Zwischen dem 9. und 15. Februar erreichten den Gazastreifen über die Grenze Karim Schalom 505 Lastwagenladungen, darunter 252 für Hilfsorganisationen. 132 Lastwagenladungen mit Weizen passierten die Grenze bei Karni. Durch den Grenzübergang Nahal Oz konnten über 1,8 Millionen Liter Treibstoff für industrielle Zwecke importiert werden.
- Zwischen dem 8. und 14. Februar waren 35% der Importgüter nach Gaza für Hilfsorganisationen bestimmt, davon 83% Nahrungsmittel. Bildungs- und Schreibmaterialien sowie Vieh oder Baumaterialien wurden nicht in den Gazastreifen gelassen.
- Die Grenzübergänge Rafah, Nahal Oz und Sofa sind derzeit geschlossen.
- Für den Wiederaufbau wichtige Güter wie Baumaterialien, Rohre, Elektroleitungen, Trafos, eine grundlegende Ausrüstung und Ersatzteile durften die Grenzübergänge nicht passieren.
Dringender Bedarf
Öffnung der Grenzübergänge: Alle Grenzen in den Gazastreifen von Israel müssen betriebsbereit sein und die Zahl an Lastwagen und die Auswahl an Waren, die nach Gaza eingeführt werden dürfen, müssen erhöht werden. Die folgenden Güter werden im Gazastreifen dringend benötigt:
- Ersatzteile und Treibstoff für die Kraftwerke, Krankenhäuser sowie für Wasser- und Abwasseranlagen
- Zement, Sand und andere Baumaterialien, um zerstörte Schulen, Krankenhäuser, Kliniken und Privathäuser wieder auszubauen
Im Namen der palästinensischen Bevölkerung bitten wir alle unsere Spender, den Aufruf zu unterstützen. Geben Sie uns die Möglichkeit, zu helfen.
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