Durch Gaza-Krise verdoppelt sich Sterblichkeitsrate bei Frühgeburten29. April 2009
Die Ärzte des Shifa Krankenhauses sind zu Recht stolz auf ihre Geburtsstation. Jeden Monat werden hier mehr als tausend Kinder geboren.Die Frauen gebären nicht nur in einer sauberen und sicheren Umgebung, sie profitieren auch von einer pränatalen Betreuung. Im Erdgeschoss befindet sich die Ausrüstung, um die Herztöne von Föten während der Schwangerschaft aufzuzeichnen und zu überwachen sowie eine Notaufnahme und ein Zimmer, in dem Fehlgeburten aufgebahrt werden. So traurig es ist, das Letztere gehört zu einer Geburtsstation dazu. Der Chefarzt der Geburtsstation, Dr. Akram El Schikhalil erzählt, dass dieser Raum in den letzten Wochen mehr als sonst gebraucht wurde. „Während des Krieges haben alle Angst und schwangere Frauen in besonderem Maße. Viel mehr Frauen als sonst erlitten Fehl- oder Frühgeburten. Die Zahl der frühgeborenen Kinder hat sich in den letzten Wochen verdoppelt. Die Babys werden in der 22. und 23. Woche geboren; zu zeitig, um hier unter diesen Bedingungen überleben zu können.” Die Risiken für schwangere Frauen stiegen während des Krieges enorm an, denn viele Frauen konnten ein Krankenhaus nicht rechtzeitig erreichen als die Wehen einsetzten. Nur 10% der Angestellten des Shifa Krankenhauses arbeiteten während der Angriffe, da es zu gefährlich war, in der Stadt unterwegs zu sein. Auf der Station, wo früh geborene Kinder behandelt werden, zeigt uns Dr. Akram mehrere Brutkästen. Beim näheren Hinsehen erblicken wir winzige, verrunzelte Körperchen, die an Atemgeräte angeschlossen sind. Diese Kinder wurden alle während des Krieges geboren. Hussein Ghalayini, Gynäkologe und Geburtshelfer, war einer von denjenigen, die während der Angriffe ohne Unterbrechung im Shifa Krankenhaus arbeiteten. Er erzählt von einer Frau Anfang dreißig, die zu ihm in der Nacht gebracht wurde, als die Bombardierungen besonders heftig waren. „Man brachte sie aus dem Stadtviertel Zaitun in einem Krankenwagen her, sie blutete stark und war sehr verängstigt. Sie schrie: „Wo ist mein Baby?“ Sie gebar als Bomben auf ihr Stadtviertel fielen; ihr Haus wurde getroffen und stürzte ein. In den Wirren nach den Angriffen war sie zu geschockt und litt unter großen Schmerzen, so dass sie niemandem nach ihrem Baby fragen konnte als man sie entdeckte und in den Krankenwagen brachte. Dr. Ghalayini erzählt, er und seine Kollegen konnten diese Frau retten, doch er weiß nicht, ob ihr Kind noch lebt. Viele Frauen verloren auf diese Weise ihre Neugeborenen während des Krieges. „Die Säuglinge wurden unter dem Schutt der zerstörten Häuser gefunden, manche lebend und andere bereits tot.“ Der Arzt berichtet weiter, er habe mehrere Frauen behandelt, die während der Geburt schwer verletzt wurden. Die meisten Mütter trugen Verletzungen wie gebrochene Gliedmaßen davon. Heute ist die Geburtsstation ruhig. Einige Frauen, die in Kürze gebären, sitzen in einer Reihe und warten geduldig bis sie für die Geburtsvorbereitungen geholt werden, dankbar, in einer friedlicheren Zeit ihre Kinder auf die Welt zu bringen. „Ich hatte solche Angst während der Angriffe, es war zwar zu früh für mich die Wehen zu bekommen, doch ich kam hierher und blieb für drei Tage im Shifa Krankenhaus. Ich fürchtete sonst, die Wehen würden zu Hause einsetzen und niemand wäre in der Lage, mir zu helfen“, erzählt eine der Schwangeren. |
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