Fakten zum Projekt

Land: Bosnien

Ort: Sarajevo, Tuzla und Umgebung

Begünstigte: 400 Begünstigte mit psychischen Beschwerden. Zusätzliche Zielgruppe sind weitere von Traumata Betroffene.

Projektziel: Verbesserung der geistigen Gesundheit der bosnischen Bevölkerung und Erleichterung ihres alltäglichen Lebens

Gesamtkosten: ursprünglich geplant: 32.033 Euro, aktuell: 28.883 Euro

Projektdauer: 01.09.2013-30.09.2015

Überblick

Das Ziel des Projektes mit dem Namen "Pass it forward" ("Gib es weiter") besteht darin, die geistige Gesundheit der bosnischen Gesellschaft insgesamt zu steigern, indem etwa 400 Begünstigte psychosoziale Hilfe und Unterstützung bekommen. Zielgruppe des Projekts sind vor allem Waisenkinder mit psychischen Beschwerden und deren Familien. Zusätzlich werden weitere traumatisierte Menschen behandelt, die wiederum für die Bedürftigen im Rahmen des Projektes spenden können. Die Behandelten werden dazu befähigt, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und die Hilfe, die ihnen zuteil wird, an Menschen in ihrer Umgebung weiterzugeben.


Bosnien ist ein Land, das von Wohlstand und Wachstum, aber ebenso von Zerstörung und Leiden geprägt ist. Kriege haben sich in der Geschichte etwa alle 50 Jahre wiederholt, der letzte Krieg von 1992 bis 1995 zog große menschliche, kulturelle und materielle Verluste mit sich.

Etwa die Hälfte der bosnischen Bevölkerung musste damals aus ihren Häusern fliehen und litt demzufolge unter posttraumatischen Belastungsstörungen und Armut. Vor allem Kinder waren von den Ereignissen betroffen – sie mussten die Vertreibung aus ihrer Heimat, Trennung von Familie und Freunden, den Tod von Familienangehörigen, den Anblick von Toten und Verwundeten und Verzweiflung erleben. Außerdem litten sie indirekt durch die Traumata ihrer Eltern und den Verlust ihres Alltags.

Als Konsequenz gibt es auch heute noch traumatisierte Generationen mit zahlreichen psychosozialen und anderen Störungen. Zwanzig Jahre nach dem Krieg helfen humanitäre Organisationen nach wie vor beim Wiederaufbau.

Islamic Relief Bosnien führt seit 2009 erfolgreich ein Projekt durch, das ein Bildungszentrum für Waisenkinder in Tuzla ermöglicht. Eine der Aktivitäten besteht in der psychosozialen Hilfe und Unterstützung der Bedürftigsten durch Therapie und Beratung. Daraus entstand das Projekt „Pass It Forward“. Auch wenn das Projekt in erster Linie an Waisen mit psychischen Beschwerden und ihre Mütter gerichtet ist, kamen später teils auch andere Begünstigte hinzu, die eine Therapie erhalten und wenn möglich an die behandelten Bedürftigen spenden. Das Projekt hilft Menschen mit psychosozialen Störungen und Schwierigkeiten, mit dem Alltag – in der Familie, der Arbeit und ihrer Umgebung – zurechtzukommen und ihre geistige Gesundheit zu verbessern oder wiederherzustellen. Insbesondere benachteiligte Familien werden adressiert, da sie wegen der hohen Kosten meist nicht die Möglichkeit haben, sich behandeln zu lassen. Zweite Zielgruppe sind Menschen, die wiederum die Mittel haben, ihre Behandlung zu bezahlen.

Das psychosoziale Projekt achtet darauf, die Barrieren der psychologischen Behandlung, die in der Gesellschaft vorhanden sind, niedrig zu halten, indem etwa die Behandelnden nicht in Arbeitskleidung, sondern in ziviler Kleidung auftreten. „Pass it forward“ möchte dazu auffordern, das Gute, das man erhält, weiterzugeben und sich als Begünstigter ebenso humanitär zu engagieren. Es soll die inneren Fähigkeiten für Empathie stärken und verbindet Menschen, indem sie geben und teilen. Das Projekt war bisher auch wegen seiner Verbindung zwischen humanitärer und professioneller Arbeit erfolgreich.

Maßnahmen:
• Bereitstellung von individuellen Therapie-Sitzungen
• Bereitstellung von Therapie-Sitzungen in Gruppen
• Entwicklung von Kreativität durch verschiedene Aktivitäten
• Organisation von Vorträgen zur aktuellen sozialen Situation
• Fundraising für Projekte und Aktivitäten von Islamic Relief

Der Zwischenbericht des Projekts für psychosoziales und geistiges Wohlergehen (“Pass it forward”) in Bosnien bezieht sich auf den Zeitraum von Januar 2014 bis September 2014.

Berichtszeitraum: Januar 2014 bis September 2014


Ziele: Jedes Mitglied der Gesellschaft soll unabhängig von finanziellen und wirtschaftlichen Mitteln die Möglichkeit für psychologische Behandlung erhalten. Das Projekt gibt Menschen, die helfen möchten, die Möglichkeit sich positiv einzubringen.  

 

Ergebnisse:

1. Alle Begünstigten, die eine psychologische Unterstützung erhalten haben, berichteten von einer Verbesserung der Symptome ihrer Erkrankung.

2. Die meisten Begünstigten müssen keine Medikamente gegen psychologische Erkrankungen zu sich nehmen. Einige Begünstigte konnten zumindest die Medikamenteneinnahme reduzieren.

3. Viele Begünstigte können ihr alltägliches Leben besser gestalten

4. Viele Begünstigte haben die Therapie erfolgreich abgeschlossen

5. Die Zahl der Begünstigten ist gestiegen  

 

Maßnahmen:

Einzeltherapie

Die Einzelsitzungen dauern jeweils 90 Minuten und werden je Person einmal die Woche durchgeführt. Dies nehmen insgesamt 223 Personen in Anspruch.

Individuelle Therapie und Beratung hilft traumatisierten Begünstigten ihr Trauma zu verarbeiten und verringert oder löst Symptome und psychische Krankheiten ihre ihre Folgen auf. Es hilft den Frauen, ihre Probleme zu lösen, ihre Sorgen zu verringern, ihr Schweigen über ihr Trauma und ihre Fehler im Leben zu brechen und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre versteckten oder eingeschlossenen negativen Gefühle der Angst, Trauer, Ärger, Hass, Schuld, Gewissen und Eifersucht zu durchbrechen.  

Gruppentherapie

  • 17 Personen nehmen außerdem an 90-minütigen Gruppentherapie-Sitzungen teil.
  • Es werden Gruppentherapie-Sitzungen für sieben verwaiste junge Frauen angeboten.

Die Gruppentherapie unterstützt Frauen im gleichen Alter, die das Bedürfnis haben ihre Probleme in einer Gruppe zu verarbeiten, um dadurch ein Gefühl der Zugehörigkeit zu entwickeln und sich angenommen und geschätzt zu fühlen. Oft fühlen sie sich nach der Therapie viel selbstbewusster und besser, was ihnen hilft ihr Leben zu bewältigen, ihren Platz in der Familie einzunehmen und ihre Probleme zu bewältigen.  

Kunsttherapie

Außerdem gibt es Kunsttherapie jeweils für junge Frauen und Mütter.

Kunsttherapie ist eine gute Möglichkeit für Kinder und Mütter, mehr über ihre negativen Emotionen zu erfahren und zu lernen, sie wahrzunehmen, auszudrücken und mit ihnen umzugehen. Diese Aktivität zielt darauf ab, die emotionale Intelligenz der Teilnehmer zu fördern und Bewältigungsmechanismen zu stärken.      

Arbeit mit Waisen

  • Derzeit werden Kooperationen zu Waisenhäusern aufgebaut, um Waisenkinder zu erreichen, die beide Elternteile verloren haben und auch keinen Unterstützer haben. Die Arbeit mit ihnen soll ihnen neue Energie und Selbstbewusstsein geben.
  • Es soll eine Atmosphäre geschaffen werden, in der sich die Waisen wohlfühlen, so dass sie ein besseres Bild von sich selbst aufbauen können und Vertrauen und Wärme entsteht.

 

Erreichtes:

  • Alle von Islamic Relief Begünstigten sowie ihre Familien haben eine Ansprechperson, an die sie sich bei psychosozialen Belangen wenden können.
  • Das Projekt hilft Menschen, ihre psychologischen Störungen und Dysfunktionen zu überwinden und wieder gesund und stark zu werden. So können sie zu ihrer Familie, ihrer Arbeit und dem Leben in der Gemeinde zurückkehren.
  • Das Projekt ist offen für diejenigen, die nicht genug Mittel haben, die gesamte Therapie zu zahlen. Daher wird es von Islamic Relief gefördert. Dadurch wird das Einkommen dieser Menschen geschützt und sie werden für humanitäre Arbeit motiviert.   
a b c d
Begünstigte in Berichtszeitraum Individuelle Therapie Gruppentherapie Gesamt
Direkt 78 10 88
Indirekt 312 40 352
Anzahl der Klienten 223 17 240
Anzahl der Therapiestunden 335 26 361

Vom Schatten ans Licht

S.B., 39 Jahre alt, weiblich, verheiratet, hat ein siebenjähriges Kind. Ihr Vater und ihre Mutter verließen sie in ihrer frühen Kindheit. Ihre Mutter war psychisch instabil mit Hang zum Suizid. Sie lehnte ihre Tochter ab und wies ein agressives und wütendes Verhalten ihr gegenüber auf. Ihre Mutter starb an Krebs und hatte einen sehr schmerzhaften Leidensweg, als die Klientin Studentin war. Sie wurde allein gelassen, mit wenigen persönlichen Stärken.

S.B. litt an Ängsten und Depressionen. “Vor der Therapie war ich von meinen Ängsten überwältigt und suchte überall, wo keine war, nach Liebe. Ich fühlte mich unsicher und verlor meine Stärke und die Motivation weiter durch das Leben zu gehen. Nun finde ich Hilfe und positive Ressourcen in Gott und in mir selbst. Ich lerne kontinuierlich. Ich fühle die Ängste nicht so stark wie vorher, und wenn die Ängste aufkommen, kann ich besser mit ihnen umgehen. Ich sammle Liebe um mich herum und über mir – sie wächst in mir. Islamic Relief hat mir geholfen, dem Leben neuen Sinn zu geben und motiviert mich dazu aktiv zu sein und zur Gesellschaft etwas beizutragen.”

Heute ist S.B. ein sehr aktives Mitglied der bosnischen Gesellschaft und trägt in jeglicher Hinsicht Gutes bei.    

Bewältigung der Emotionen der Klientin durch Augenbewegungsdesensibilisierung
Die Psychotherapeutin hilft während der Therapie der Klientin ihre schwierige Lebensgeschichte zu bewältigen.

Der Abschlussbericht des Projekts zur psychosozialen Hilfe für Betroffene in Bosnien (“Pass it forward”) bezieht sich auf den Zeitraum vom 01.09.2013 bis zum 30.09.2015. Die bis Ende des Projektes erreichte Anzahl der Begünstigten beträgt insgesamt 448 Personen.

Was erreicht wurde:

1. Alle Begünstigten, die eine psychologische Unterstützung erhalten haben, berichteten von einer Verbesserung der Symptome ihrer Erkrankung.

2. Die meisten Begünstigten müssen keine Medikamente gegen psychologische Erkrankungen zu sich nehmen. Einige Begünstigte konnten zumindest die Medikamenteneinnahme reduzieren.

3. Viele Begünstigte können ihr alltägliches Leben besser gestalten

4. Alle Begünstigte haben die Therapie erfolgreich abgeschlossen

5. Die Zahl der Begünstigten ist gestiegen, insgesamt erhielten 448 Personen Hilfe seit Beginn des Projektes.

6. Es gab auch eine Paartherapie, um einer Scheidung entgegenzuwirken.

 

abcd
Begünstigte seit ProjektbeginnEinzeltherapieGruppentherapieInsgesamt
Direkt Begünstigte43315448
Anzahl der Therapiesitzungen953621.015
Anzahl der Therapiedauer in Stunden1.430901.520

 

Dieses Projekt wurde entwickelt, um jedes Mitglied der Gesellschaft die gleichen Chancen für eine psychologische Behandlung unabhängig von ihrer finanziellen / wirtschaftlichen Situation zu geben. Es ist eine humanitäre Arbeit und hat eine positive Auswirkung auf den Entwicklungshilfebedarf und ein Beitrag für die Gesellschaft. Es hilft Menschen, ihre psychischen Störungen und Funktionsstörungen zu überwinden, um eine gesunde und starke Person wieder zu werden und zu Familie, Arbeit und Gemeinschaft zurückzufinden. Es hilft dem Staat bei der Wiedergewinnung ihrer Bürger und ist auch eine Kosteneinsparung in den Mitteln von Medikamenten und Behandlungen. Es erinnert an einen Kreis von guten Taten, weil jeder in ihm (sowohl die Betroffenen als auch die Psychotherapeuten) am Prozess beteiligt ist. Es trägt zu einer besseren Gesellschaft bei, indem jeder dem Anderen helfen kann.