Fakten zum Projekt

Land: Bangladesch

Ort: Distrikt Sunamganj, im Osten von Bangladesch

Begünstigte: 100 Witwen und deren Kinder

Projektziel: Einkommenssicherung für Witwen und Waisen durch die Herstellung von handwerklichen Gütern

Gesamtkosten: 50.000 Euro, die aus Einnahmen der Aktion "Speisen für Waisen 2013" von Islamic Relief bereits gedeckt sind.

Projektdauer: 01.07.2013 bis 31.12.2014 (18 Monate)

Überblick

Bei diesem Projekt werden durch die Ausbildung in der Herstellung von handwerklichen Gütern aus einheimischen Materialien die Lebensumstände von 100 Witwen und ihren Kindern verbessert. Ziel ist es, dass die Waisenmütter und ihre Kinder einen Zugang zum Markt erlangen und durch ihr Wissen und Können in die Selbständigkeit starten können. Das Projekt wird vollständig aus Spenden finanziert, die im Rahmen der Aktion "Speisen für Waisen" von Islamic Relief Deutschland Anfang 2013 gesammelt wurden.



Video: Unsere Wasser- und Sanitärprojekte in Bangladesch

 

1. Ausbildung der Begünstigten im handwerklichen Umgang mit einheimischen Gütern wie Bambus, Schilfrohr etc. und Ausbildung im Bereich Näherei

2. Herstellung von 20 verschiedenen handwerklichen Gütern, wie Gebrauchs- und Kunstgegenstände, aus einheimischen Materialien

3. Mindestens 60 der begünstigten Waisenmütter sollen Zugang zum Markt erlangen

4. Training für Begünstigte durch eine Fachkraft im Bereich Vermarktung, Innovation, Geschäftsführung

5. Bereitstellung von Ressourcen für die Herstellung der Güter

Sunamganj befindet sich im Nordosten Bangladeschs und ist eine der ärmsten Regionen des Landes. Die Gegend ist reich an natürlichen Ressourcen, welche aber nicht ausreichend genutzt werden. Durch dieses nachhaltige Projekt sollen die begünstigten Witwen und Waisen Wissen zur Herstellung von handwerklichen Gütern zum Beispiel aus Bambus erlangen und somit ein Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit finden. Ein Produktdesigner wird die Begünstigten bei dem Verfahren zur Herstellung der handwerklichen Güter durch Trainings begleiten.

Der Abschlussbericht des Projekts zur Einkommenssicherung für Witwen und Waisen durch die Herstellung von handwerklichen Gütern bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Juli 2013 bis zum 31. Dezember 2014. Die bis Ende Dezember 2014 erreichte Anzahl der Begünstigten beträgt 100 Witwen und ihre Kinder.

Das Projekt konnte dank der Spendengelder, die durch das Projekt "Speisen für Waisen" 2013 gesammelt wurden, realisiert werden.

Berichtszeitraum: 01.07.2013-31.12.2014

Was erreicht wurde:

1. Rekrutierung von vier Projektmitarbeitern

2. Formierung von 10 Arbeitsgruppen mit insgesamt 100 Begünstigten

3. Training in der Herstellung von 60 handwerklichen Warenmustern aus einheimischen Materialien in insgesamt 98 Trainings-Einheiten durch einen Produktdesigner

4. Training für Begünstigte durch eine Fachkraft im Bereich Vermarktung, Innovation und Geschäftsführung und Besuch von Märkten (insgesamt 20 Mal)

5. Individuelle Förderung für Witwen mit besonderem Förderbedarf

6. Bereitstellung von Ressourcen für die Herstellung der Güter

7. Begleitung der Begünstigten beim Verfahren zur Herstellung der handwerklichen Güter 

8. Herstellung von 2.000 Produkten in 60 verschiedenen handwerklichen Warenmustern aus einheimischen Materialien wie Bambus

9. Zugang zum Markt und vollständiger Verkauf der Güter auf dem Markt durch die Begünstigten, die dadurch ihr Einkommen steigern konnten

Simone Walter, Nothilfekoordinatorin bei Islamic Relief, besuchte das Einkommenssicherungsprojekt in Bangladesch, das durch Spenden der Aktion „Speisen für Waisen“ finanziert wurde.

Sie erzählt: „In dem Projekt zur Einkommenssicherung von hundert Witwen und ihren Kindern werden die Frauen angelernt, aus einheimischen Materialien - hauptsächlich Bambus - verschiedene Dinge wie Körbe oder Fächer herzustellen. In Unterrichtsstunden wird den Frauen die Kunstfertigkeit des Korbflechtens vermittelt. Es wird im Projekt auch Verbindung mit lokalen Märkten hergestellt, sodass die Frauen sowohl die Rohmaterialien als auch den Verkauf ihrer Waren am Ende des Projektes selbstständig durchführen können.

Insgesamt können die Frauen bereits zehn verschiedene Produkte herstellen, weitere zehn werden sie erlernen. Die Hauptprodukte sind dünne Matten und breite flache Körbe. Die Matten werden als Schlaf- und Sitzunterlage verwendet, die Körbe benutzen die Fischer, um ihren Fisch zu trocknen, denn getrockneter Fisch ist ein typisches Gericht in der Region. Es dauert etwa drei Stunden, einen solchen Korb herzustellen, und die Materialkosten belaufen sich auf 50 BDT (etwa 0,45 Euro). Verkaufen können sie einen Korb für 90 BDT (etwa 0,80 Euro). In einer Woche stellt eine Frau etwa zehn Körbe her und verkauft diese auf dem Markt in ihrer Nähe.

Auf die Frage, was sie mit den Einnahmen machen, erklären die Frauen, dass sie davon zunächst die Schulbildung für ihre Kinder unterstützen und weiterhin das Geld für Essen verwenden oder in weitere Einkommensquellen investieren. Wenn es sein muss, können sie nun auch medizinische Behandlungen davon bezahlen. Dies war alles vor dem Projekt nicht möglich. Wenn außerdem noch etwas von ihren Einnahmen übrig bleibt, sparen sie es an.

Im Moment haben sie sich dafür zu einer Gruppe zusammengeschlossen, jedes Mitglied zahlt wöchentlich einen kleinen Betrag ein. Wenn eine kleine Summe zusammengekommen ist, bringen sie sie zur Bank. Zum Glück nimmt die Nachfrage nach den Produkten – vor allem nach den Körben und Matten – stets zu, sodass das Einkommen der Frauen auf lange Sicht gesichert ist. Für ihre Zukunft wünschen sich die Frauen die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten noch zu vertiefen und weitere Produkte in guter Qualität herstellen zu können.“

Wunsch: selbst einen Handwerkerladen eröffnen

Die Geschichte von Anita Sutradhor

Anita Sutradhor, 45 Jahre, ist der Vormund, nämlich die Tante, des von Islamic Relief unterstützten Waisenkindes Shathi Sutradhor. Sie hat zusätzlich noch vier eigene Kinder. Ihr Mann ist ein Kleinhändler, der zu wenig verdient, um damit den Lebensunterhalt seiner Familie zu bestreiten. Sie können sich nicht mit guter Nahrung und gesundheitlicher Behandlung versorgen, und niemand kann ihnen in ihrer schwierigen Situation helfen.

Während dieser schwierigen Zeit erfuhr Anita Sutradhor vom Waisenprogramm von Islamic Relief Bangladesch. Schließlich wurde ihr Neffe Sathi als Waisenkind bei Islamic Relief registriert. Dies hat das Leben ihrer Familie sehr verändert und ihr geholfen, ihre schwierige finanzielle Lage zu überwinden und zu überleben. Während Sathi durch eine Patenschaft unterstützt wurde, versuchte Anita aber auch stets, einen Weg zu finden selbst Geld zu verdienen.

Als sie daraufhin vom Islamic Relief-Projekt zur Einkommenssicherung für Witwen in Bangladesch erfuhr, ergriff sie die Chance und ließ sich dafür als Begünstigte registrieren. Seitdem wurde Anita durch das Projekt unterstützt. Sie erhielt ein langfristiges Training in der Produktion von handwerklichen Gütern sowie Trainings in Marktanalyse und der Verbindung zum Markt, der Entwicklung von Unternehmen und dem Management eines Geschäfts. Nach dem Training erhielt sie auch finanzielle Unterstützung, um damit die Materialien für die handwerkliche Produktion zu erwerben.

Ein Produktdesigner von Islamic Relief Bangladesch organisierte regelmäßige Treffen der Herstellerinnen und gab ihnen regelmäßige Trainings zu Produktionsprozessen und Produkt-Marketing. Ihre Familie ist sehr glücklich darüber, dass Anita das Training erhalten hat und dadurch für den Lebensunterhalt sorgen kann. Nachdem sie das Training und die finanzielle Unterstützung erhalten hat, begann sie die Güter zu produzieren und auch zu verkaufen. Dadurch verdient sie Geld und kann zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen. Das wiederum steigert ihre soziale Würde und bringt ihr Respekt von anderen ein.

Hygiene- und sanitäre Anlagen konnten durch ihr Einkommen verbessert werden. Anita ist inzwischen zu einem Vorbild in ihrer Gemeinde geworden.

Sie sagt: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich an diesem Projekt teilnehmen durfte. Ohne einen eigenen Verdienst gibt es keinen Respekt für meine Familie. In Zukunft möchte ich meinen eigenen Handwerksladen eröffnen.“


Vom Traum, eine Händlerin zu werden

Die Geschichte von Archana Sutradhor

Archana, 48 Jahre alt, hat zwei Töchter und zwei Söhne. Ihr Mann Anil starb vor sieben Jahren an einem Herzinfarkt. Zuvor hatte er als Tagelöhner gearbeitet. Er war schon lange krank und versuchte dennoch sein Bestes, um seine Familie zu versorgen. Doch schließlich starb er.

Nach dem Tod ihres Mannes musste Archana mit ihren Kindern ums Überleben kämpfen und begann damit, als Haushälterin zu arbeiten. Doch ihr Leben war unsicher, und niemand half ihnen bei der Bestreitung ihres Lebensunterhalts.

Während dieser Zeit erfuhr Archana durch die Leiterin einer Gruppe für Mütter von Islamic Relief und die 1:1-Patenschaft. Daraufhin informierte sie sich bei anderen Witwen darüber und kontaktierte die Mitarbeiter von Islamic Relief in Bangladesch.

Islamic Relief traf die Familie, und Archanas Kind Sabuj erhält seitdem Unterstützung durch eine Waisenpatenschaft. Dies half ihnen ihre schwierige Situation zu überwinden. Doch zusätzlich zu der Unterstützung strebte Archana an auch selbst Geld zu verdienen.

Sie erfuhr vom Islamic Relief-Projekt zur Einkommenssicherung von Witwen in Bangladesch und ließ sich als Begünstigte dieses Projekts registrieren. Sie erhielt Trainings und konnte nach einiger Zeit selbst Handwerksprodukte anfertigen und verkaufen.

Archana war sehr engagiert darin, sich neues Wissen anzueignen. Nun kann sie Geld für die Familie verdienen, und ihre persönliche Würde in der Gesellschaft hat sich wesentlich verbessert.

Archana Sutradhor sagt: „Es ist mir eine große Ehre, Teil des Projekts von Islamic Relief sein zu dürfen.“ Sie erzählt von ihrem Traum: „Ich habe den Traum, eine gute Summe Geld durch die Produktion von handwerklichen Gütern zu verdienen, und damit mein eigenen Unternehmen zu gründen. Ich möchte außerdem meinem Sohn eine bestmögliche Bildung ermöglichen.“