Fakten zum Projekt

Land: Syrien

Orte: Zugängliche Gebiete im Norden Syriens: Aleppo Stadt und Provinz, Idlib, Hama, Latakia (Komponente 1), Aleppo Stadt, Aleppo Provinz (Nord und Deir Hafer), Homs (Talbisah) (Komponente 2)

Begünstigte:  Komponente 1: Kinder, Patienten mit chronischen Krankheiten, Frauen im reproduktiven Alter und generell die gefährdete Bevölkerung Nordsyriens, insgesamt 361.500 Personen. Gefährdete Personengruppen sind durch die Verteilung entsprechender Medikamente berücksichtigt, wie beispielsweise Mütter, Kinder und Alte.

Komponente 2: Durch die Unterstützung der Krankenhäuser profitieren die syrische Bevölkerung, Kranke und Verletzte in den Einzugsgebieten der Krankenhäuser (insgesamt 100.000 Personen) - chronisch und akut Kranke und Verletzte zählen insbesondere zu den Begünstigten - sowie das Krankenhauspersonal. Durch die partielle Übernahme der Gehalts- und Personalkosten ist geplant die Schließung der Krankenhäuser zu verhindern und somit die medizinische Versorgung der syrischen Bevölkerung in den Einzugsgebieten zu ermöglichen. 

Projektziel: Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung in Gesundheitseinrichtungen in Syrien, sowie Eindämmung diverser epidemischer Krankheiten 

Projektdauer: 15.02.2015- 31.03.2016

Projektpartner: Islamic Relief Worldwide

Implementierungspartner: Islamic Relief Türkei, Deutsch-Syrischer Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte e.V. (DSV)

Gesamtkosten: Das Projekt wird mit 2.100.000 Euro vom Auswärtigen Amt hauptsächlich finanziert; 184.216,21 Euro Eigenanteil

Kofinanzierer

Implementierungspartner

Überblick

 

Durch die anhaltenden Kriegsverhältnisse in Syrien, ist der Gesundheitszustand der Bevölkerung prekär und eine ausreichende medizinische Versorgung dauerhaft stark beeinträchtigt. Die medizinische Versorgung in Syrien ist somit äußerst eingeschränkt und die Bedürfnisse der Bevölkerung können größtenteils nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die anfälligsten Personengruppen sind Kinder und ältere Menschen, aber auch chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen oder von Kindern geführte Haushalte leiden stark unter der anhaltenden Situation. Für Frauen in Syrien fehlt es insbesondere an reproduktiven Gesundheitsdiensten, inklusive prä- und postnataler Betreuung, während es bei Männern einen sehr großen Bedarf an Wundversorgung und psychosozialer Unterstützung gibt.

Über 2.4 Millionen Menschen benötigen medizinische Hilfe; die höchsten Zahlen wurden in Idlib, Aleppo, Hama und Latakia festgestellt.

Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt hauptsächlich finanziert und vor Ort vom Deutsch-Syrischen Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte e.V. und Islamic Relief Türkei umgesetzt. Dieses Soforthilfeprojekt baut auf die zwei vorangegangen Projekten der Zusammenarbeit zwischen dem Auswärtigen Amt, Islamic Relief Deutschland, Islamic Relief Türkei und DSV auf. Die noch zugänglichen zuvor unterstützten Krankenhäuser werden weiterhin durch dieses Projekt aufrechterhalten. Ziel ist es, so viele Gesundheitseinrichtungen wie möglich in Betrieb zu halten, damit neben der Versorgung der Kranken und Verletzten, diese Einrichtungen den Krieg überdauern und somit ein schnellerer Wiederaufbau des Landes gewährleistet werden kann.

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Das Projekt besteht aus zwei Komponenten - zum einen aus der Unterstützung der medizinischen Gesundheitseinrichtungen in mehreren Bereichen zur Aufrechterhaltung der Basisgesundheitsversorgung in Syrien und zum anderen aus der Aufrechterhaltung des Betriebs von vier Krankenhäusern innerhalb Syriens.

 

 

 

 

In der Provinz Aleppo bedürfen etwa 2,8 Millionen Menschen humanitäre Hilfe und der Zugang zu dieser Hilfe wird durch die sich ständig verlagernden Konfliktlinien beeinträchtig. Ca. 480.000 Menschen in Aleppo benötigen medizinische Hilfe. Neben den Verletzungen durch den Krieg, leiden auch die Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Krebs und Asthma. Durch den Mangel an sauberen Wasser, Sanitäreinrichtungen, Hygieneartikel und den entsprechenden Medikamenten, treten vermehrt Hautkrankheiten wie Krätze und Läuse auf.

In Idlib sind 1,2 Millionen Menschen auf humanitäre Unterstützung angewiesen und insbesondere 310.000 benötigen medizinische Versorgung. Idlib beherbergt in absoluten Zahlen die meisten intern geflohenen Menschen. In Idlib Stadt nimmt die Ausbreitung von Atemwegs- und Hautkrankheiten zu. Die Situation der medizinischen Versorgung in Lattakia ist vergleichsweise stabil. Dennoch ist die Gesundheitsversorgung dort durch Mangel an Medikamenten und Materialien und der Abwanderung medizinischen Personals bedroht. 

Komponente 1 beinhaltet die Versorgung von Gesundheitseinrichtungen, wie Krankenhäuser, Gesundheitsstationen und Dialysezentren mit Medikamenten, sowie eine Kampagne gegen epidemische Krankheiten.

Unter Komponente 2 ist geplant insgesamt vier Krankenhäuser durch Medikamente, partielle Übernahme der Personalgehälter und Unterstützung mit diversen Nebenkosten zu unterstützen. 

 

Die Gesundheitsversorgung der syrischen Bevölkerung ist sehr kritisch. Über 2.4 Millionen Menschen benötigen medizinische Hilfe, die höchsten Zahlen wurden in Idlib, Aleppo, Hama und Latakia festgestellt. Die Kämpfe haben viele Gesundheitseinrichtungen zerstört. In September 2014 waren mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser in Syrien zerstört und nur noch 40% (47) vollständig in Betrieb. Während die durch Wasser übertragenden Krankheiten in IDP Camps und stark überfüllten Stätten ansteigen, verursacht der harsche Wintereinbruch einen Anstieg der Morbiditäts- und Mortalitätsrate von Infektionskrankheiten der Atemwege.

Der Zugang zu ausreichend Blutkonserven ist nicht gesichert, dadurch ist das Risiko für Infektionskrankheiten, wie Hepatitis B oder HIV hoch. Die Impfabdeckungsrate vor Ausbruch des Krieges betrug etwa 90% in Syrien.

Ein dramatischer Anstieg der Verletzten – durchschnittlich 25.000 pro Monat - in Kombination mit ständig eintretenden Stromausfällen und einem Mangel an medizinischen Materialien und Medikamenten der medizinischen Grund- und Traumaversorgung ist es für die Krankenhäuser besonders schwierig dem chirurgischen Bedarf gerecht zu werden und unmöglich die kritische Zeitspanne bis zur notwendigen Behandlung einzuhalten.

Es ist trauriger Normalzustand, dass Angriffe auf medizinische Einrichtungen ausgeübt werden. Teilweise ist medizinisches Personal gezwungen, in provisorischen, geheimen und mobilen Krankenhäusern zu arbeiten, um solchen Angriffen zu entkommen.

Der Konflikt konzentriert sich stark auf den Norden Syriens. Aleppo ist weiterhin eine der am stärksten umkämpften Städte des Landes und somit betroffen von weitreichenden humanitären Auswirkungen.

Die zu unterstützenden Krankenhäuser liegen in verschiedenen Regionen Syriens, hauptsächlich im Norden. Neben der notleidenden Bevölkerung beherbergen diese Regionen auch noch Tausende von Flüchtlinge.

 

 

 

Der Zwischenbericht des Projekts zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung III in Syrien bezieht sich auf den Zeitraum vom 15.02.2015 bis zum 25.06.2015.

Komponente 1

1. Projektstartworkshop mit Beteiligten aus Islamic Relief Deutschland (IRD), Islamic Relief Türkei (IRT) und Islamic Relief Worldwide (IRW) zur Besprechung der Grundsätze des Projektes und Reglementierung wurden besprochen

2. Projektbüro hat die Durchführung der erneuten Bedarfsanalyse inklusive die Auswahl der Krankenhäuser nahezu abgeschlossen

3. Warenlager wurden bereits eingerichtet, vorbereitet und entsprechendes Personal eingestellt

4. Spezifizierung der geplanten Aktivitäten zur Bekämpfung der Krankheitserreger; Islamic Relief Türkei koordiniert diese Aktivitäten mit der INRO “Mentor Initiative”, welche in Syrien die Leitung aller Aktivitäten bzgl. “vector control” übernommen hat. Geplant ist die Identifizierung von 5 Gebieten, in denen Insektizide an die lokalen Konzile verteilt werden.

Komponente 2

1. Partielle Übernahme der Gehalts- und Personalkosten der Krankenhäuser bis einschließlich Ende Mai

2. Abschluss von Arbeitsverträgen mit 82 Mitarbeitern der Krankenhäuser

3. Medizinische Behandlung in April und Mai von bereits ca. 50.000 Menschen in den geförderten Krankenhäusern

 

 

 

Der Zwischenbericht des Projekts zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung III in Syrien bezieht sich auf den Zeitraum vom 02.10.2015 bis zum 12.02.2016. Das Projekt wurde mit Bescheid vom 04.12.2015 bis zum 31.03.2016 verlängert und zusätzliche Mittel bis zu 2.100.000,00 Euro zugebilligt.

1. Änderung der Rahmenbedingungen im Projektumfeld

Komponente 1: Islamic Relief Turkey (IRT)

Medikamente:

Einkauf und Auslieferung der Medikamente gestalten sich unter den gegebenen Bedingungen schwierig. Unter dem Unterziel 1 ergab sich bei der Besorgung eines Medikamentes (Glucantine Ampoules), dass für die Behandlung von Leishmaniose nach Meinung der Fachleute unbedingt benötigt wird, eine Änderung. Der Lieferant war nicht in der Lage, die vertraglichen Bedingungen einzuhalten, weshalb ein anderer Lieferant gefunden werden musste. Nun wird das Medikament von einem anderen Lieferanten bereitgestellt, muss aber von einer europäischen Marke bezogen werden. Der Preis für eine Ampulle hat sich erhöht. (Dazu weiter s.u.)

Komponente 2: Deutsch Syrischer Verein (DSV)

a. Umzug Al Quds: Am 06.10.2015 berichtet der Koordinator des Krankenhauses (im Folgenden: KH) AlQuds in Aleppo Stadt, dass die Luftangriffe auf das KH immer gezielter erfolgen und unmittelbar mit weiteren Treffern zu rechnen sei, weswegen als einzige Möglichkeit, dem zu entgehen, ein Umzug in den Untergrund geplant wurde. Hierfür konnte Islamic Relief 44.035,40 € aus Eigenmitteln beisteuern.

b. IS: Am 07.01.2016 hat der DSV in enger Koordination mit Islamic Relief Deutschland entschieden, sich aus den mittlerweile in der IS-Region befindlichen Krankenhäusern Al Iman und Deir Hafer zurückzuziehen. Herr Labanieh (DSV) hat sich in Gaziantep mit den Krankenhauskoordinatoren der beiden Krankenhäuser getroffen, die diese Entscheidung mit angestoßen und schließlich befürwortet haben. Durch die seit dem Eingreifen der russischen Kräfte weiter verschärfte Situation besteht für das Personal erhöhte Gefahr. Die Transportwege sind geschlossen und die Gefahr des Beschusses hoch. Das Personal flüchtet vor Regime und IS. Zudem berichteten die Krankenhauskoordinatoren, dass IS-Anhänger in den Krankenhäusern präsent waren und nach Gehältern und Geldgebern gefragt hätten. Daher wurde in enger Absprache mit dem Auswärtigen Amt einstimmig beschlossen, die beiden Krankenhäuser nicht weiter zu unterstützen. (Zu der daher erfolgten Umbewilligung s.u.)

c. Erneute Flüchtlingsströme

d. Abwanderung von Personal: Durch die Absprachen mit Krankenhauskoordinatoren und anderen in der Region aktiven Hilfsorganisationen wurde Auskunft über die ortsüblichen Gehälter für Krankenhauspersonal in den Regionen eingeholt. In anderen Krankenhäusern wird höheres Gehalt gezahlt, was auch nötig ist, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten der Mitarbeiter bedienen zu können. Ohne eine angemessene Zahlung fehlt nicht zuletzt auch die monetäre Grundlage, um in der Projektregion bleiben zu können.

2. Durchführung der Projektmaßnahmen, Erreichung der Indikatoren im Berichtszeitraum

Komponente 1: Islamic Relief Turkey (IRT)

Medikamente:

Aufgrund der schwierigen Bedingungen kommt es bei Besorgung, Bestellung und Auslieferung der Medikamente immer wieder zu Verzögerungen.

Komponente 2: Deutsch-Syrischer Verein (DSV)

Alle Krankenhäuser haben den ersten Teil ihrer Medikamentenbestellung erhalten. Aufgrund der kritischen Grenzsituation entschied sich der DSV, den zweiten Teil der Medikamentenlieferung an der syrischen Grenze zwischenzulagern. Von dort aus wurde die Übergabe an die Krankenhäuser organisiert. So haben alle Krankenhäuser bis auf das Krankenhaus Deir Hafer ihren zweiten Medikamentenanteil erhalten. Die Übergabe der ersten Medikamentenlieferung erfolgte am 10.11.2015. Ebenso konnte das dringend benötigte Ultraschallgerät an das Krankenhaus in Talbisah übergeben werden. Die Übergabe der zweiten Lieferung erfolgte an die Krankenhäuser Al Quds und Talbisah am 07.12.2015. Die Übergabe an das KH Al Iman ist am 09.12.2015 noch erfolgt. Deir Hafer wird wegen des Vorrückens des IS nicht weiter beliefert.

Komponente 1: Islamic Relief Turkey (IRT)

Glucantine Ampoules: Das Medikament ist laut Aussage von IRT essentiell für die Erfüllung des Projektzieles bezüglich epidemischer Krankheiten. Mit der Aufstockung wird die Besorgung auch zu dem oben erläuterten erhöhten Preis ermöglicht. Das Problem mit den gestiegenen Kosten des Medikamentes wegen der Lieferengpässe des Lieferanten konnte durch Auswahl eines anderen Lieferanten und die Aufstockung erfolgreich behoben werden.

Komponente 2: Deutsch-Syrischer Verein (DSV)

a) Umzug AlQuds

Der Innenausbau des Krankenhauses ist noch nicht vollends fertiggestellt, weshalb der Umzug des KH noch nicht stattgefunden hat. Einige Etagen konnten renoviert werden, darüber hinaus sind sanitäre Anlagen errichtet und Sauerstoffleitungen gelegt worden. Planmäßig sollten mindestens 50% des Al Quds Krankenhauses bis Ende 2015 in das neue Gebäude umgezogen sein, jedoch ist es derzeit nicht möglich, die Krankenhausausstattung dort hin zu transportieren. Baumaterialien sind nur begrenzt zugänglich und dadurch nur schwer und kostenintensiv zu beschaffen.

b) Zugang zu Krankenhäusern

Das Deir Hafer-Krankenhaus kann aufgrund seiner Lage im IS-Gebiet nicht mehr beliefert werden. Der Militäreinsatz in der Region lässt keine Lieferung zu. Das Risiko ist für Krankenhausmitarbeiter zu hoch. Außerdem ist der Kontakt zum Krankenhaus derzeit abgebrochen. Die Medikamente für das KH Deir Hafer sind bis dato an der Grenze zwischengelagert. Durch die Militäreinsätze in der Region (IS-Gebiet) und die damit verbundene Gefahr von Luftangriffen ist eine Übergabe der Medikamente an das Krankenhaus nicht möglich. Unter diesen Bedingungen mussten wir uns entscheiden, neben dem Krankenhaus Al Iman auch dieses Krankenhaus nicht weiter zu unterstützen.

c) Abwanderung von Personal

Der DSV pflegt auch Kontakte zu anderen in der Region aktiven Hilfsorganisationen und holt regelmäßig Auskunft über die ortsüblichen Gehälter für Krankenhauspersonal in den Regionen ein. Hier hat sich herausgestellt, dass Mitarbeiter von Krankenhäusern, die von anderen Gebern unterstützt werden, deutlich höhere Gehälter erhalten. Daher wurde schon länger überlegt, die Gehälter dementsprechend anzupassen. Durch die Umbewilligung wegen des Rückzugs aus dem IS-Gebiet konnten diese Gelder zur Verfügung gestellt werden, der Abwanderung von Personal wird damit entgegengewirkt.